Die Wegwarte – eine unterschätzte Futterpflanze für Schildkröten
Die Gemeine Wegwarte, auch Zichorie genannt, ist ein häufiges Wildkraut in Mitteleuropa. Sie gehört zur selben Pflanzenfamilie wie der Chicorée.
Mit ihren auffälligen, meist himmelblauen Blüten (selten rosa oder weiß) ist sie von weitem sichtbar und wurde 2005 zum „Gemüse des Jahres“ sowie 2009 zur „Blume des Jahres“ gewählt.

Nährstoffreiche Futterpflanze für Schildkröten
Die Gattung Cichorium umfasst rund acht Arten, von denen in Mitteleuropa nur die Gemeine Wegwarte (Cichorium intybus) heimisch ist. Die ausdauernde Wildpflanze mit ihren leuchtend blauen Blüten wächst bevorzugt an Wegrändern und auf nährstoffreichen Ruderalflächen. Sie gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und ist in Eurasien und Nordafrika verbreitet. Neben ihrer Bedeutung als Futterpflanze für Schildkröten wird sie auch in der Naturheilkunde und als Ersatzkaffee genutzt.
Standort & Boden
Die Wegwarte bevorzugt sonnige Standorte mit eher kargem, steinigem oder verdichtetem Boden.
- bevorzugt sonnige Lagen, toleriert aber auch Halbschatten
- durchlässige und eher trockene Böden sind ideal
- gut geeignet auf Kalkschotter im Gehege
- auf sandigen Böden schwachwüchsig
- häufig an Wegrändern, Feldern und Brachflächen zu finden
Wuchs und Blüte
Wegwarten bilden aus einer Blattrosette kantige, verzweigte Blütentriebe mit bitterem Milchsaft und tiefreichender Pfahlwurzel. Die strahlenförmigen Blüten erscheinen von Juli bis September und öffnen sich nur am Morgen. Sie sind eine wertvolle Nahrungsquelle für Wild- und Honigbienen sowie Schwebfliegen.
- Blütezeit: Ende Juni bis Anfang Oktober
- Blütenfarbe: meist blau, selten rosa oder weiß
- Blütendurchmesser: bis zu 6 cm
- Besonderheit: ausschließlich Zungenblüten, keine Scheinblüten
Samen Ernte
Wegwarten lassen sich leicht durch Aussaat vermehren und breiten sich im Garten oft selbstständig aus.
Die Keimung dauert etwa zwei bis drei Wochen. Da die Pflanze zweijährig ist, bildet sie im ersten Jahr eine Blattrosette und blüht erst im zweiten Jahr. Durch das gezielte Ernten der Samen lässt sich die Selbstaussaat gut kontrollieren, da sich die Wegwarte sonst stark im Garten ausbreiten kann.
Wegwartesamen werden im Spätsommer bis Herbst geerntet. Reif sind sie, wenn sich die Blüten- und Samenstände braun verfärbt haben, vollständig trocken sind und bei Berührung leicht zerfallen. Die Ernte sollte idealerweise an einem trockenen Tag erfolgen.

Zur Samengewinnung werden die trockenen, bräunlichen Samenstände abgeschnitten und an einem luftigen, geschützten Ort kopfüber nachgetrocknet. Sobald sie vollständig trocken sind, lassen sich die Samen leicht ausschütteln, zum Beispiel über einem Gefäß. Rund um die Futterpflanzensamen-Ernte kann man im Artikel Ernte nachlesen.
Nach der Ernte sollten die Samen kühl, trocken und dunkel gelagert werden, dann bleiben sie viele Jahre keimfähig.
Widerstandskraft
Die Pflanzen sind äußerst widerstandsfähig und werden selten von Schädlingen wie Blattläusen oder Schnecken befallen.

Aussaat & Pflege
Eine Aussaat ist sowohl im Herbst als auch im Frühjahr möglich, wobei die Herbstaussaat häufig zu besonders kräftigen Pflanzen führt. Die Wegwarte ist anspruchslos, benötigt aber einen tiefgründigen Boden für ihre Pfahlwurzel.
- Aussaatzeit: März (im Frühbeet, bzw. Vorkultur auf der Fensterbank) bis Mai (Freiland) oder im Herbst.
- Keimung: Dunkelkeimer, Saatgut 1,5–2 cm tief in die Erde drücken
- Abstand: ca. 15 × 15 cm
- Keimdauer: 2–4 Wochen
- entwickelt tiefe Pfahlwurzeln, wächst schlank nach oben
- Zichorien sind pflegeleicht, sollten aber frühzeitig vereinzelt und umgepflanzt werden, da sich die lange Wurzel später schlecht verpflanzen lässt
- Gießen: sehr trockenheitsverträglich, kommen mehrere Tage ohne Regen aus
- Überwinterung: winterhart bis –20 °C, treiben im Frühjahr zuverlässig neu aus
Verwendung im Schildkrötengarten
Die jungen Blätter und Triebe der Gemeinen Wegwarte eignen sich hervorragend als Futter für Landschildkröten. Sie sind reich an Bitterstoffen und sekundären Pflanzenstoffen und fördern die Verdauung. Auch die dekorativen Blüten können in Maßen verfüttert werden.
Die Pflanze lässt sich gut in Wildblumenwiesen integrieren und harmoniert dort besonders gut mit Malven, Nachtkerzen und Kapuzinerkresse.

Weitere Nutzformen
Cichorium intybus var. foliosum ist als Chicorée, Radicchio oder Zuckerhutsalat bekannt. Diese Sorten sind bei eigenem ökologischen Anbau ebenfalls für die Schildkrötenfütterung geeignet – besonders die bitterstoffreichen Blätter. Cichorium endivia, bekannt als Endivie oder Frisée, stammt aus dem Mittelmeerraum und bietet ebenfalls nährstoffreiche Blätter mit mildem bis bitterem Geschmack.
Ökologischer Wert
Die Gemeine Wegwarte ist nicht nur eine wertvolle Futterpflanze für Schildkröten, sondern auch eine hervorragende, einheimische Bienenweide und wertvolle Nahrungsquelle für Insekten von Juni bis Oktober.
Sie zieht über 38 Wildbienenarten an und trägt so zur Biodiversität bei. Ihre leuchtend blauen Blüten bieten reichlich Nektar und Pollen, besonders für Honigbienen, Hummeln, Schwebfliegen und spezialisierte Wildbienen. Ihre Samen dienen als Vogelfutter.

Zusammenfassung für Schildkrötenhalter
Die Wegwarte ist eine robuste, mehrjährige und pflegeleichte Futterpflanze, die mit ihren gesunden Bitterstoffen den Speiseplan bereichert und zugleich Insekten anzieht. Ideal für sonnige Flächen im Freigehege geeignet.

Mehr zum Thema Ernährung von Europäischen Landschildkröten, geeigneten Futterpflanzen und deren Anbau erfährt man in den folgenden Artikeln: