
Malven sind pflegeleichte, beliebte Futterpflanzen
Malven (Gattung Malva) gehören zur Familie der Malvengewächse (Malvaceae) und sind in Eurasien sowie Nordafrika weit verbreitet. Mit ihren weichen Blättern, auffälligen Blüten und ihrer hohen Anpassungsfähigkeit zählen sie zu den klassischen, bewährten Futterpflanzen in der naturnahen Haltung von Landschildkröten. Verschiedene Malvenarten kommen auch in den Herkunftsgebieten Europäischer Landschildkröten vor.
Gemeint sind hier vor allem Arten der Gattung Malva, zum Beispiel Wilde Malve (Malva sylvestris), Weg-Malve (Malva neglecta) oder Moschus-Malve (Malva moschata). Darüber hinaus gibt es weitere gut geeignete Futterpflanzen aus der Familie der Malvengewächse, etwa Stockrosen, Eibisch oder Hibiskus. Auch manche Gartenformen, zum Beispiel die Mauretanische Malve oder die Sorte ‘Zebrina’, können als Futterpflanzen interessant sein, sofern sie ungespritzt und eindeutig bestimmt sind.
Malven und verwandte Malvengewächse verbinden gleich mehrere Vorteile: Sie liefern geeignetes Futter, bringen Struktur ins Gehege, blühen lange und sind zugleich wertvoll für Wildbienen, Hummeln und andere Insekten.
Warum sind Malven so gut als Futterpflanzen geeignet?
Malven liefern ein strukturreiches, blattreiches und naturnahes Futter. Sie passen sehr gut in eine abwechslungsreiche Ernährung, wie sie für Europäische Landschildkröten empfohlen wird, mit vielfältigen Wildkräutern, Blättern, Blüten, faserreichen Pflanzenteilen und möglichst magerer Kost.
- gut geeignet (bei sicherer Bestimmung)
- rohfaserreich
- schleimstoffhaltig
- leicht verdaulich
- sowohl frisch als auch getrocknet (z. B. im Kräuterheu)
Die Blätter und Blüten der Malven enthalten als sekundäre Pflanzenstoffe Pflanzenschleime. Diese Schleimstoffe sind aus der Pflanzenheilkunde bekannt und werden traditionell wegen ihrer reizlindernden Eigenschaften geschätzt. Für Landschildkröten bedeutet das jedoch nicht, dass Malven als „Heilpflanze“ oder Ersatz für eine tierärztliche Behandlung verstanden werden sollten. Sie sind vielmehr eine gut geeignete, milde und abwechslungsreiche Futterpflanze im Rahmen einer naturnahen Ernährung.
Besonders schön ist, dass Malven nicht nur als Futter dienen, sondern auch Struktur ins Gehege bringen. Sie wachsen aufrecht, blühen lange und können zeitweise Deckung und Schatten bieten.
Welche Pflanzenteile werden gefressen?
Blätter
Die weichen, rundlichen bis handförmig gelappten Blätter werden von vielen Landschildkröten gerne angenommen. Gerade junge Blätter sind zart und leicht zu fressen. Ältere Blätter können etwas fester sein, liefern dafür jedoch mehr Struktur.
Blüten
Die rosa, violetten, weißlichen oder dunkel geäderten Blüten sind ein natürliches Extra im Speiseplan. Sie sollten wie alle Blüten nicht als Hauptfutter, sondern als Ergänzung angeboten werden, und erst nach dem Verblühen verfüttert werden.
Junge Stängel und Triebe
Zarte Triebe und junge Stängel werden gelegentlich mitgefressen. Sehr harte, alte oder stark verholzte Pflanzenteile sind weniger interessant.
Samenstände
Malven bilden die typischen kleinen, runden „Käse“-Früchtchen. Die Samenstände sollten nicht gezielt verfüttert werden.

Woran erkennt man Malven?
Malven haben meist rundliche bis handförmig gelappte Blätter, oft mit weicher Behaarung. Die Blüten sind fünfzählig und je nach Art rosa, violett, weißlich oder kräftig purpurfarben. Typisch sind bei vielen Arten die dunkleren Adern auf den Blütenblättern.
Nach der Blüte bilden sich die charakteristischen scheibenförmigen Früchtchen, die an kleine Käselaibe erinnern. Gerade diese „Käsefrüchtchen“ sind ein gutes Wiedererkennungsmerkmal vieler Malvenarten.
Trotzdem gilt: Nur sicher bestimmte Pflanzen verfüttern. Wer unsicher ist, sollte die Pflanze nicht ins Gehege setzen und nicht verfüttern.
Geeignete Malvenarten und verwandte Futterpflanzen
Für Schildkrötenhalter besonders interessant sind verschiedene Arten und Gartenformen aus der Familie der Malvengewächse. Dazu gehören zum Beispiel:
- Wilde Malve (Malva sylvestris)
- Weg-Malve (Malva neglecta)
- Moschus-Malve (Malva moschata)
- Mauretanische Malve (Malva sylvestris var. mauritiana)
- ‘Zebrina’ als häufige Gartenform
- Stockrose (Alcea rosea)
- Echter Eibisch (Althaea officinalis)
- Hibiskus, zum Beispiel Garten-Hibiskus (Hibiscus syriacus) oder Zimmer-/Tropenhibiskus (Hibiscus rosa-sinensis)
- Buschmalven, (Lavatera)
All diese Pflanzen gehören zur Familie der Malvengewächse und können, bei sicherer Bestimmung und unbelasteter Herkunft, wertvolle Futterpflanzen sein. Besonders Blätter und Blüten sind interessant. Sie sollten Teil einer abwechslungsreichen Wildkräuterfütterung sein und nicht als alleinige Hauptfutterpflanze dienen.
Gerade bei Gartenpflanzen ist die genaue Bestimmung wichtig. Handelsnamen können verwirrend sein, und nicht jede Pflanze, die umgangssprachlich „Malve“ genannt wird, gehört zur gleichen Gattung. Für die Praxis ist das aber kein Problem, solange die konkrete Pflanze sicher bestimmt, als geeignet eingeordnet und frei von Dünger- und Pflanzenschutzmittelrückständen ist.
Stockrosen, Eibisch und Hibiskus sind also verwandte, ebenfalls gut geeignete Futterpflanzen aus der Familie der Malvengewächse. In diesem Artikel stehen die klassischen Malva-Arten im Mittelpunkt; die verwandten Malvengewächse können aber gut ergänzend im Gehege oder Futtergarten genutzt werden.
Sicherheit: Darauf sollte man achten
Malven sollten nur von unbelasteten Standorten gesammelt oder aus eigener, pestizidfreier Kultur verwendet werden. Pflanzen von Straßenrändern, Hundewiesen, stark gedüngten Flächen, Ackerrändern oder aus unbekannter Herkunft sind nicht geeignet.
Im Handel gekaufte Malven, Stockrosen, Eibisch- oder Hibiskuspflanzen dürfen nicht sofort verfüttert oder direkt ins Schildkrötengehege gepflanzt werden. Sie sollten zunächst in Quarantäne. Viele Zier- und Topfpflanzen aus Gärtnereien, Gartencentern oder Baumärkten können mit Dünger, Pflanzenschutzmitteln, Schneckenkorn, Wachstumsregulatoren oder anderen Rückständen belastet sein. Gekaufte Pflanzen sollten deshalb zunächst ausgetopft, von möglichst viel alter Erde befreit und in ungedüngte, unbelastete Erde gesetzt werden. Anschließend kultiviert man sie über mehrere Monate außerhalb des Geheges weiter. Erst neue, unbelastet nachgewachsene Pflanzenteile können später als Futter verwendet werden.
Auch der Standort der Kultur spielt eine Rolle, denn auf sehr stickstoffreichen Böden können Pflanzen vermehrt Nitrat einlagern. Für Schildkröten sind magere, naturnahe und ungedüngte Futterpflanzen grundsätzlich die bessere Wahl.
Nur sicher bestimmte, ungespritzte und unbelastete Malven und Malvengewächse verfüttern. Im Handel gekaufte Pflanzen immer erst in Quarantäne setzen und nicht sofort ins Gehege pflanzen oder verfüttern.

Standort, Aussaat und Anbau
Malven sind unkomplizierte Pflanzen und eignen sich sehr gut für naturnahe mit Kalkschotter angelegte Schildkrötengehege, Futterbeete, Hochbeete und Blühstreifen. Sie bevorzugen sonnige bis halbschattige Standorte mit lockerem, durchlässigem Boden. Sie sind ein- bis mehrjährig, teilweise kurzlebig ausdauernd, und oft selbstaussäend.
Für die Schildkrötenhaltung sollte der Boden nicht gedüngt oder übermäßig nährstoffreich sein. Besser geeignet sind magere bis mäßig nährstoffreiche, unbelastete Böden ohne Dünger- und Pflanzenschutzmittelrückstände. So bleiben die Pflanzen naturnah und passen besser zu der von uns angestrebten faserreichen Fütterung.
Malven können ab März im Haus oder im geschützten Frühbeet vorgezogen werden. Ab Ende April bis Mai ist auch eine Direktsaat ins Freiland möglich, sobald keine stärkeren Nachtfröste mehr zu erwarten sind. Eine spätere Aussaat im Herbst ist ebenfalls möglich; viele Malven säen sich später auch von selbst wieder aus, wenn man einige Pflanzen ausblühen lässt.
Die Samen werden auf lockere, feinkrümelige Erde gelegt, leicht angedrückt und nur sehr dünn mit Erde, Sand oder feinem Substrat übersiebt. Sie sollten nicht tief vergraben werden, da sie Lichtkeimer sind. Während der Keimphase muss die Erde gleichmäßig feucht gehalten werden.
Bei etwa 15 bis 20 °C keimen Malven meist innerhalb von ein bis drei Wochen. Je nach Art, Saatgutalter und Bedingungen kann die Keimung aber auch etwas länger dauern, etwas Geduld lohnt sich also.
Für die Vorkultur eignen sich Minigewächshäuser mit ungedüngter Anzuchterde. Nach den letzten Frösten, meist ab Mitte Mai, können die Jungpflanzen ins Beet oder an ihren endgültigen Standort gesetzt werden. Zwischen den Pflanzen sollte genügend Abstand bleiben, je nach Art etwa 40 bis 50 cm. So können sich die Pflanzen gut entwickeln, bleiben luftiger und sind weniger anfällig für Pilzkrankheiten.
Ein kleiner Praxistipp: Um die Keimung zu unterstützen, kann man Malvensamen vor der Aussaat über Nacht in lauwarmem Wasser einweichen. Danach werden sie direkt ausgesät. Wichtig ist anschließend eine gleichmäßige Feuchtigkeit, ohne Staunässe.
Im Schildkrötengehege können Malven direkt wachsen, wenn sie sicher bestimmt, unbelastet und gut angewachsen sind. Im Handel gekaufte Pflanzen gehören jedoch nicht direkt ins Gehege, sondern müssen zunächst außerhalb des Geheges in Quarantäne weiterkultiviert werden.
Alternativ kann man Malven dauerhaft außerhalb des Geheges kultivieren und regelmäßig Blätter und Blüten anbieten. Das ist besonders praktisch, wenn die Tiere junge Pflanzen sonst zu schnell abfressen würden.
Auch Stockrosen, Eibisch und Hibiskus lassen sich gut in einen naturnahen Futtergarten integrieren. Stockrosen bringen Höhe und Struktur, Eibisch eignet sich für etwas frischere Standorte, und Hibiskus kann als blühender Strauch außerhalb oder am Rand des Geheges interessant sein. Wichtig bleibt auch hier: Nur unbelastete, sicher bestimmte Pflanzen verwenden.
Wer einige Pflanzen ausblühen lässt, kann später eigenes Saatgut gewinnen und Malven dauerhaft im Futtergarten etablieren.

Samenernte bei Malven
Malven lassen sich gut über Samen vermehren. Nach der Blüte bilden sie die typischen kleinen, runden Früchtchen, die an winzige Käselaibe erinnern. Sobald diese trocken, bräunlich und leicht zerfallend sind, können die Samen geerntet werden.
Am besten erntet man an einem trockenen Tag. Die Samenstände werden abgeschnitten oder vorsichtig abgezupft und anschließend an einem luftigen, trockenen Ort etwa eine Woche nachtrocknen gelassen. Das ist wichtig, damit keine Restfeuchtigkeit eingeschlossen wird und sich bei der Lagerung kein Schimmel bildet.
Erst wenn die Samenstände wirklich trocken sind, können die einzelnen Samen aus den Früchtchen gelöst und in Papiertütchen, kleinen Gläsern oder Saatguttütchen aufbewahrt werden. Papiertütchen sind besonders praktisch, weil sie noch etwas Luftaustausch ermöglichen.
Wichtig ist eine klare Beschriftung mit Pflanzenart, Standort und Erntejahr. Die Samen sollten kühl, trocken und dunkel gelagert werden. So hat man im nächsten Frühjahr eigenes, unbelastetes Saatgut für Futterbeete, Hochbeete oder naturnahe Gehegeflächen.
Bei Gartenformen und Hybriden, zum Beispiel ‘Zebrina’ oder manchen Buschmalven, können die Nachkommen anders aussehen als die Mutterpflanze. Wer bestimmte Eigenschaften erhalten möchte, sollte das berücksichtigen. Für die Schildkrötenhaltung ist das meist unproblematisch, solange die Pflanzen sicher bestimmt und unbelastet sind.
Ein Teil der Samenstände darf gerne an der Pflanze bleiben. So können sich Malven selbst aussäen und gleichzeitig Insekten, Vögeln und anderen Kleintieren als Futter und natürliche Struktur im Garten dienen. Im Schildkrötengehege sollte man jedoch darauf achten, dass nicht zu viele reife Samenstände gezielt gefressen werden. Für die Fütterung stehen die Blätter und gelegentlich Blüten im Vordergrund.

Malven im Schildkrötengehege
Malven eignen sich gut als Teil einer abwechslungsreichen Gehegebepflanzung. Sie bringen Höhe, Blüten, Deckung und Futter in einem. Besonders in naturnah gestalteten Freigehegen können sie zusammen mit Wegerich, Löwenzahn, Brennnessel, Witwenblume, Wegwarte, Ringelblume, Gänsedistel und anderen geeigneten Futterpflanzen wachsen.
Auch Stockrosen, Eibisch und Hibiskus können das Gehege oder den Futtergarten sinnvoll ergänzen. Stockrosen eignen sich vor allem als hohe Blühpflanzen, Hibiskus kann als Strauch Blätter und Blüten liefern, und Eibisch passt gut in eine vielfältige Pflanzenauswahl. Häufig ist es sinnvoll, solche Pflanzen eher am Rand oder außerhalb des Geheges zu kultivieren und Blätter oder Blüten gezielt anzubieten. So werden junge Pflanzen nicht sofort komplett abgefressen.
Wie bei allen Futterpflanzen gilt auch hier: Vielfalt ist entscheidend. Malven und verwandte Malvengewächse sind eine sehr gute Ergänzung, sollten aber nicht die einzigen oder dominierenden Futterpflanzen sein. Je abwechslungsreicher das Pflanzenangebot, desto näher kommt die Ernährung dem natürlichen Weideverhalten Europäischer Landschildkröten.
Ökologischer Mehrwert
Malven sind nicht nur für Schildkröten interessant. Ihre Blüten werden von Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen und anderen Insekten besucht. Damit tragen sie zur Biodiversität rund um das Schildkrötengehege bei.
Gerade in naturnahen Gärten sind Malven wertvolle Blühpflanzen. Sie bieten über einen langen Zeitraum Nahrung für Insekten und können gleichzeitig als Futterpflanze für Schildkröten genutzt werden. Das macht sie ideal für alle, die Schildkrötenhaltung und naturnahe Gartengestaltung miteinander verbinden möchten.
Auch Stockrosen, Eibisch und Hibiskus sind attraktive Blühpflanzen, die den Futtergarten optisch und ökologisch bereichern können. Besonders schön ist es, nicht alle Blüten sofort zu verfüttern. Einige Pflanzen dürfen ruhig für Insekten stehen bleiben und ausblühen. So entsteht ein kleiner Kreislauf aus Futterpflanze, Insektenweide und Samenbildung.

Fazit
Malven sind wertvolle, unkomplizierte und vielseitige Futterpflanzen für Europäische Landschildkröten. Blätter und Blüten werden gerne gefressen, die Pflanzen lassen sich gut anbauen und sie bereichern naturnahe Gehege auch optisch und ökologisch. Daher sind Malven ideal für extensiv gepflegte Gehege, in denen sich eine vielfältige, naturnahe Vegetation entwickeln soll.
Auch verwandte Malvengewächse wie Stockrosen, Eibisch und Hibiskus können bei sicherer Bestimmung und unbelasteter Herkunft gut in den Futtergarten integriert werden. Sie liefern Blätter und Blüten, bringen Struktur und fördern gleichzeitig die Biodiversität.
Wichtig sind eine sichere Bestimmung, eine unbelastete Herkunft und ein maßvoller Einsatz im Rahmen einer vielfältigen Wildkräuterfütterung. Im Handel gekaufte Malven und andere Malvengewächse sollten immer erst in Quarantäne weiterkultiviert werden, bevor sie verfüttert oder ins Gehege gepflanzt werden.
So eingesetzt sind Malven, Stockrosen, Eibisch und Hibiskus eine sehr schöne Ergänzung für Schildkrötengehege, Futterbeete und naturnahe Gärten mit dem Fokus auf Biodiversität.
