Hitze – wie schütze ich meine Schildkröten?

Temperaturmanagement für Europäische Landschildkröten im Sommer

Lebenswichtig bei großer Hitze ist für Schildkröten die Vorbeugung vor Hitzschlag.

Bei hohen Temperaturen sollte man Gehege und Frühbeete gut wässern, die Frühbeete manuell weit öffnen und Schattieren mit Planen, Bastmatten oder Ähnlichem. Die Schattierungen können mit Wasser befeuchtet werden, um Verdunstungskälte zu erzeugen.
Gewächshäuser kann man mit speziellen Schattiernetzen abdunkeln. Nutzt man einen Heizlüfter für kalte Tage, so kann man ihn im Sommer ideal auf der „Lüfter-Stufe“ für eine kühle Brise in Frühbeet oder Gewächshaus nutzen. Ein Lüfter kann helfen, einem Hitzestau vorzubeugen.
In neuen und noch kahlen Gehegen kann man leicht für Schatten sorgen mittels Sonnensegeln oder Sonnenschirmen. Ein großer Haufen Laubbaumschnitt ist ein schönes, schattiges Versteck.
Wichtig ist es auch, kühle Versteckmöglichkeiten und möglichst Stein-Höhlen anzubieten, und für reichlich Bademöglichkeiten zu sorgen.
Die Technik darf an heißen Tagen natürlich komplett ausgeschaltet werden, in der Regel ist dies aber nicht notwendig, da sie temperaturgesteuert sein sollte.
Sollten die Tiere dennoch das Frühbeet aufsuchen, kann man sie tagsüber auch aussperren, falls es dort zu warm sein sollte.
Man kann gelegentlich Wasser im Gehege und auf die Schattierung versprühen, um für Verdunstungskälte zu sorgen, und um die Verstecke kühl zu halten. Meist reicht jedoch das Gießen der Versteckpflanzen und Befeuchten der Verstecke aus.

Automatische Frühbeetöffner

Automatische Frühbeetöffner werden bei großer Hitze ausgehängt, und die Deckel weit manuell aufgestellt.
Ein wichtiger Hinweis hierzu: Alle automatischen Frühbeetöffner bedürfen als mechanische Komponenten regelmäßiger Wartung und Funktionsüberprüfung. Dazu gehört der regelmäßige Tropfen Öl – und die Kontrolle der einwandfreien Funktion und Befestigung.

Man sollte grundsätzlich, nicht nur an heißen Tagen, die Temperaturen im Frühbeet mittels Smartthermometern mit Temperaturalarm überwachen. Temperaturen über 40 Grad können bei unseren Tieren bereits zu Kreislaufkollaps und Hitzschlag führen. Es ist daher unerlässlich, die Temperaturen engmaschig zu überwachen. Dabei sollte man auch die Temperaturen am Erdboden mittels Laserthermometer im Auge behalten.

Bei heißem Wetter sollten die Deckel der Frühbeete manuell weit geöffnet, schattiert und aufgestellt werden.

Warnhinweis ⚠️


In diesem Zusammenhang ein wichtiger Warnhinweis zu sogenannten „Rollenöffnern“:
In den letzten Jahren erreichten uns Aktive in der Haltungsberatung viele Nachrichten von Haltern, deren „Rollenöffner“ bei großer Hitze „übergeschlagen“ waren, woraufhin die Deckel zugefallen und die Frühbeete stark überhitzt waren. Leider ist es aufgrund dessen sogar zu Todesfällen in den überhitzten Frühbeeten befindlicher Schildkröten gekommen. Bei konventionellen Frühbeetöffnern, die über eine Befestigung am Deckel verfügen, ist diese spezielle Gefahr nicht gegeben (z.B. Beckmann, Einhell).
Es haben sich in den letzten Wochen gegen diese Gefahr bei Rollenöffnern folgende Abhilfen abgezeichnet:

Lösung 1: Man befestigt eine Maurerschnur am Ende und hakt diese in den Griff vom Deckel ein. So kann der Rollenöffner nicht überschlagen und das Dach öffnet zudem etwas weiter.

Lösung 2: Den schwarzen Kolben so einschrauben, dass das Gewinde gerade so greift.

Lösung 3: Eine spezielle Schiene als „Stopper“ für den Öffner anbringen.

In den Fotos findet man einige Beispiele, danke dafür, liebe Bettina Wagner, Gaby Westermann, Melanie M. Niral, Petra Schwanda und Kim Schembecker.

Habt ein Auge auf Eure Tiere, und überwacht stets die Temperatur auf Schildkrötenhöhe. Einen schönen Sommer für alle Schildkröten 🍀🌞


Eine flache Keramikschale mit einigen Steinen und einem Stöckchen als Ausstiegshilfe kommt sowohl Insekten als auch Igeln entgegen.

Wasser anbieten, im Gehege und rundherum

Ein zuverlässiges Wasserangebot gehört zu den wichtigsten Grundelementen einer guten Schildkrötenhaltung. Europäische Landschildkröten nehmen Wasser nicht nur beim Trinken auf. Feuchte Bereiche unterstützen auch den Flüssigkeitshaushalt, die Verdauung und die Thermoregulation. Gerade in warmen, trockenen Phasen ist Wasser deshalb weit mehr als eine nette Ergänzung. Es ist ein wichtiger Teil eines funktionierenden Geheges.

Für Schildkröten sollte jederzeit eine flache, gut zugängliche Wasserschale bereitstehen. Sie muss so niedrig sein, dass die Tiere bequem hinein- und wieder herauslaufen können. Tiefe Gefäße, steile Ränder oder glatte Innenflächen sind ungeeignet, weil sie zur Falle werden können. Bewährt haben sich schwere, flache Tonschalen, Untersetzer oder flache Natursteinschalen. Das Wasser sollte täglich gewechselt und die Schale regelmäßig gereinigt werden, damit sich keine Keime, Algen oder Futterreste ansammeln.

Die Badeschale sollte einen sicheren Stand haben und griffig sein, wie dieser Blumenuntersetzer.

Dabei lohnt es sich, nicht nur an die Schildkröten selbst zu denken. Ein naturnah gestalteter Garten rund um das Schildkrötengehege kann auch für Wildtiere und Insekten ein wertvoller kleiner Lebensraum sein. Flache Wasserstellen helfen Vögeln, Wildbienen, Schmetterlingen, Käfern, Igeln und vielen anderen Gartenbewohnern besonders während längerer Trockenperioden.

Wichtig ist dabei die klare Trennung. Die Wasserschale für die Schildkröten gehört ins Gehege. Zusätzliche Wasserstellen für Wildtiere sollten möglichst außerhalb des Schildkrötengeheges eingerichtet werden. So werden Vögel und andere Wildtiere nicht gezielt in das Gehege gelockt, und direkte Kontakte zwischen Wildtieren und Schildkröten werden vermieden.

Ein Vogelbad sollte stabil stehen, gut erreichbar sein und regelmäßig gereinigt werden. Es darf nicht zu tief sein, damit kleinere Vögel sicher trinken und baden können. Eine Insektentränke kann sehr einfach angelegt werden. Dafür reicht eine flache Schale mit Steinen, Kieseln, Moos, Korkstücken oder kleinen Ästen. Diese Elemente dienen als sichere Lande- und Ausstiegshilfen, damit Wildbienen, Schmetterlinge und Käfer nicht ertrinken.

Auch für Igel ist Wasser im Sommer sehr wichtig. Eine Igeltränke sollte außerhalb des Schildkrötengeheges stehen, am besten bodennah, ruhig, halbschattig und kippsicher. Geeignet ist eine flache, schwere Schale mit frischem Wasser. Milch ist für Igel ungeeignet. Angeboten wird ausschließlich Wasser. Auch diese Schale sollte täglich kontrolliert und regelmäßig gereinigt werden.

Ein kleines Minibiotop kann den Garten zusätzlich bereichern. Schon eine flache Mörtelwanne, ein wasserdichtes Pflanzgefäß oder eine kleine Teichschale mit Steinen, Sumpfpflanzen und Ausstiegsmöglichkeiten kann vielen Tieren helfen. Wichtig ist, dass keine steilen, glatten Wände entstehen. Jede Wasserstelle muss so gestaltet sein, dass Tiere, die hineinfallen, selbstständig wieder herauskommen.

Geeignete Wasserstellen im und ums Gehege

Im Schildkrötengehege

Flache, schwere Wasserschale mit niedrigem Rand, täglich frisches Wasser, regelmäßige Reinigung.

Außerhalb des Schildkrötengeheges

Vogelbad, Insektentränke, Igeltränke und kleine Minibiotope als zusätzliche Wasserangebote für heimische Wildtiere.

Für Insekten

Flache Schale mit Steinen, Moos, Kork oder Ästen als Landeplätze und Ausstiegshilfen.

Für Igel

Flache, kippsichere Bodenschale mit frischem Wasser, außerhalb des Schildkrötengeheges, niemals Milch.

Für Vögel

Stabile, flache Tränke an einem übersichtlichen Platz, regelmäßig reinigen und an heißen Tagen täglich auffüllen.

Wasserstellen machen ein Gehege und seine Umgebung lebendiger. Sie fördern ein stabileres Mikroklima, unterstützen die Schildkröten an heißen Tagen und schaffen wertvolle Trinkmöglichkeiten für viele kleine Mitbewohner des Gartens. Gerade in Zeiten zunehmender Hitze und längerer Trockenphasen ist ein gut geplantes Wasserangebot deshalb ein einfacher, aber sehr wirkungsvoller Beitrag zu Tierwohl und Biodiversität.

Bei Hitze suchen ie Schildkröten gerne ihre Badeschalen auf, die man stets sauberhalten sollten.