
Die Bedeutung sekundärer Pflanzenstoffe in der Schildkrötenernährung
Neben Rohfaser, Mineralstoffen und Vitaminen enthalten Wildpflanzen eine Vielzahl sogenannter sekundärer Pflanzenstoffe. Diese Stoffe dienen Pflanzen ursprünglich als Schutzmechanismus gegen Fraßfeinde, Krankheitserreger oder UV-Strahlung. Für Landschildkröten besitzen sie jedoch eine wichtige physiologische und gesundheitsfördernde Funktion.
Natürlicher Bestandteil der Ernährung
Freilebende Landschildkröten ernähren sich überwiegend von Wildkräutern, die reich an Bitterstoffen, Gerbstoffen und anderen sekundären Inhaltsstoffen sind. Diese Vielfalt trägt wesentlich zur Stabilität des Verdauungssystems sowie zur allgemeinen Gesundheit der Tiere bei.
Eine Ernährung mit überwiegend kulturgezüchteten Pflanzen oder stark wasserhaltigem Gemüse enthält dagegen häufig deutlich weniger dieser natürlichen Inhaltsstoffe. Umso wichtiger ist es, den Schildkröten gesundes Futter anzubieten.
Wichtige Stoffgruppen und ihre Wirkung
Bitterstoffe
Bitterstoffe sind in vielen typischen Futterpflanzen enthalten, beispielsweise in Wegwarte (Cichorium intybus) oder Löwenzahn (Taraxacum officinale).

Sie können:
- die Verdauung anregen
- die Darmtätigkeit unterstützen
- den Appetit regulieren
- die natürliche Darmflora stabilisieren
Gerbstoffe (Tannine)
Gerbstoffe kommen unter anderem in Schafgarbe (Achillea millefolium) oder verschiedenen Malvenarten (Malva spp.) vor.
Ihre mögliche Wirkung:
- entzündungshemmend
- leicht antibakteriell
- unterstützend bei der Darmgesundheit
Ätherische Öle und aromatische Pflanzenstoffe
Diese Stoffe finden sich beispielsweise in Schafgarbe (Achillea millefolium) oder Frauenmantel.

Sie können:
- antimikrobiell wirken
- die Verdauung unterstützen
- zur Parasitenregulation beitragen
Schleimstoffe
Vor allem Malven (Malva spp.) enthalten Schleimstoffe, die eine beruhigende Wirkung auf Schleimhäute haben können. Sie unterstützen unter anderem die Funktion des Verdauungstraktes.

Bedeutung für die Gesundheitsvorsorge
Sekundäre Pflanzenstoffe tragen zur Stabilisierung des Immunsystems und zur Förderung einer vielfältigen Darmflora bei. Besonders bei naturnah ernährten Landschildkröten wird eine bessere Anpassung an jahreszeitliche Schwankungen sowie eine stabilere Verdauungsleistung beobachtet.
Eine abwechslungsreiche Futterpflanzenmischung reduziert zudem das Risiko einseitiger Ernährung und kann helfen, natürliche Fressgewohnheiten zu fördern.
Vielfalt ist entscheidend
Keine einzelne Pflanze enthält alle relevanten sekundären Pflanzenstoffe. Erst eine breite Mischung verschiedener Wildkräuter gewährleistet eine ausgewogene Versorgung.
Besonders geeignet sind Kombinationen aus:
- Bitterstoffreichen Pflanzen (z. B. Wegwarte, Löwenzahn)
- Gerbstoffhaltigen Kräutern (z. B. Schafgarbe)
- Schleimstoffhaltigen Pflanzen (z. B. Malven)
- Strukturreichen Wildkräutern (z. B. Wegeriche)

Vorsicht bei Überangebot einzelner Pflanzenarten
Auch wenn sekundäre Pflanzenstoffe gesundheitlich wertvoll sind, sollte keine Pflanzenart dauerhaft den Hauptanteil der Nahrung darstellen. Eine natürliche Futterzusammensetzung zeichnet sich durch Vielfalt und saisonale Wechsel aus.
Fazit
Sekundäre Pflanzenstoffe sind ein zentraler Bestandteil der natürlichen Ernährung von Landschildkröten. Sie unterstützen Verdauung, Immunsystem und Darmgesundheit und tragen maßgeblich zur artgerechten Haltung bei. Durch den gezielten Anbau vielfältiger Wildpflanzen, und die Ernte von geeigneten Strauch- und Baumblättern, lässt sich ein naturnahes und gesundheitsförderndes Nahrungsangebot schaffen.