
Warum Kaltkeimer gelegentlich Stratifikation brauchen
Stratifizierung (auch Stratifikation genannt) ist ein Verfahren, bei dem Samen über einen bestimmten Zeitraum kühlen und feuchten Bedingungen ausgesetzt werden, um eine natürliche Keimhemmung (Dormanz) zu überwinden und die Keimung auszulösen.
Viele Wildpflanzen – darunter auch zahlreiche Schildkröten-Futterpflanzen – benötigen diese Kältephase, weil ihre Samen erst nach einem simulierten „Winter“ keimfähig werden. In der Natur geschieht das durch die kalte Jahreszeit im Boden, während man es bei der Aussaat künstlich nachahmen kann, indem man Samen mehrere Wochen feucht und kühl lagert.
Kaltkeimer besitzen eine Keimhemmung, die erst durch eine längere Kälteperiode aufgehoben wird. In der Natur passiert das automatisch während des Winters.
Wann Stratifikation notwendig ist
Eine künstliche Stratifikation ist sinnvoll, wenn:
- Samen im Frühjahr ausgesät werden
- eine schnelle und gleichmäßige Keimung gewünscht ist
- die natürliche Winterphase fehlt oder zu mild war
- die Art eine ausgeprägte Dormanz besitzt
Wann Stratifikation oft nicht nötig ist
Viele Kaltkeimer benötigen keine künstliche Behandlung, wenn:
- Samen im Herbst ausgesät werden
- sie im Freiland überwintern können
- natürliche Temperaturwechsel vorhanden sind
In diesen Fällen übernimmt der Winter die Stratifikation.
Bedeutung für Futterpflanzen
Viele typische Schildkröten-Futterpflanzen wie z. B. Wegwarte, Wilde Möhre oder einige Malven keimen oft zuverlässiger nach einer natürlichen Winterperiode, können aber teilweise auch ohne künstliche Stratifikation auflaufen – nur meist langsamer oder ungleichmäßiger.
Kurz gesagt:
Kaltkeimer brauchen fast immer eine Kältephase – aber diese muss nicht zwingend künstlich erfolgen, wenn die Natur sie übernimmt.
Was passiert bei der Stratifikation?
Viele Samen enthalten Keimhemmstoffe (wie Abscisinsäure), die erst durch eine längere Kälteperiode abgebaut werden müssen. In der Natur geschieht dies im Boden während des Winters. Bei der künstlichen Stratifikation ahmen wir diesen Prozess nach:
- Feuchtigkeit: Die Samen müssen Wasser aufnehmen können (Quellung), damit die chemischen Prozesse starten.
- Kälte: Idealerweise liegen die Temperaturen zwischen 1°C und 5°C.
- Dauer: Je nach Pflanzenart benötigen die Samen 4 bis 12 Wochen in der Kälte.