Frauenmantel

Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) enthält viele sekundäre Pflanzenstoffe.

Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) – robuste Futter- und Strukturpflanze im Freigehege

Der Gewöhnliche Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und ist eine ausdauernde, winterharte Staude, die sich gut für naturnahe Schildkrötengehege eignet. Während viele Arten der artenreichen Gattung Alchemilla im Garten kultiviert werden – etwa der Weiche Frauenmantel (Alchemilla mollis) – ist insbesondere A. vulgaris als heimische Wildpflanze interessant.

Die Pflanze bildet rosettenartig angeordnete, fast kreisrunde, gelappte Blätter, die auch im ausgewachsenen Zustand leicht gefaltet bleiben. Typisch ist die weiche, zottige Behaarung. Die Blätter erreichen Durchmesser bis etwa 8 cm und zeigen bei Feuchtigkeit den bekannten „Lotuseffekt“, bei dem Wasser in Tropfen abperlt. Ab Mai erscheinen die hellgrünen, knäuelartig angeordneten Blütenstände.

Standort und Kultur im Schildkrötengehege

Frauenmantel wächst bevorzugt auf Wiesen, an Waldrändern, in Gebüschen oder an Bachufern. Er gedeiht am besten in humosem, eher nährstoffarmem Lehmboden und kommt sowohl mit sonnigen als auch halbschattigen Standorten zurecht.

Im Freigehege lässt sich Alchemilla vulgaris gut integrieren, insbesondere in etwas geschützteren, strukturreichen Bereichen mit natürlichem Boden. Auf extrem trockenen, stark mineralischen oder sehr kalkreichen Substraten entwickelt er sich hingegen weniger vital. Soll er dennoch auf Kalkschotter gedeihen, so schafft man ihm ein ca. 50 cm breites und tiefes Pflanzloch, das man mit Blumenerde füllt. Dann steht dem Wachstum mitten im Gehege nichts im Wege.

Als Staude treibt die Pflanze jedes Frühjahr zuverlässig wieder aus und kann durch Teilung oder Aussaat vermehrt werden (Lichtkeimer).

Faszinierender Weise perlt Wasser an Alchemilla durch den Lotuseffekt ab.

Aussaat und Vermehrung

Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) ist ein unkomplizierter Licht- und Kaltkeimer, der sich leicht selbst vermehren lässt. Die beste Aussaatzeit liegt zwischen Herbst und Winter (Oktober bis Januar), da die Samen eine natürliche Kälteperiode zur Keimung benötigen.

Die Samen werden für die Aussaat auf Anzuchterde oder gesiebte günstige Blumenerde (=wenig Düngergehalt) gestreut, nur leicht angedrückt und keinesfalls mit Erde bedeckt, da es sich um Lichtkeimer handelt. Anschließend sollten sie vorsichtig mit einer Sprühflasche angefeuchtet werden, um ein Wegschwemmen zu vermeiden. Wichtig ist eine gleichmäßig feuchte, aber nicht nasse Erde – Staunässe ist unbedingt zu vermeiden. Eine transparente Abdeckung (z. B. Folie oder Haube) kann hilfreich sein, sollte jedoch regelmäßig zum Lüften entfernt werden.

Idealerweise erfolgt die Keimung im Freien oder im kalten Frühbeet an einem hellen, kühlen Standort. Nach der notwendigen Kältephase (Stratifikation) keimen die Samen meist innerhalb von etwa drei Wochen. Erfolgt die Aussaat später im Jahr, kann die erforderliche Kälteperiode simuliert werden, indem die Samen vorab für ungefähr zwei Tage in den Gefrierschrank gelegt werden.

Junge Sämlinge lassen sich nach dem Auflaufen vorsichtig pikieren und zunächst in Töpfen weiterkultivieren, um sie zu kräftigen. Nach etwa zwei bis vier Monaten können sie an ihren endgültigen Standort ins Freigehege gesetzt werden.

Alternativ vermehrt sich Frauenmantel im Garten häufig selbstständig durch Selbstaussaat. Ebenso unkompliziert ist die Teilung älterer Pflanzen im Frühjahr oder Herbst. Dabei wird der Wurzelstock mit dem Spaten geteilt und an anderer Stelle wieder eingesetzt.

Für eine gute Entwicklung bevorzugt Alchemilla vulgaris einen sonnigen bis halbschattigen Standort mit nährstoffreichem, humosem und ausreichend feuchtem Boden.

Wenn man den Frauenmantel in etwas Blumenerde pflanzt, wächst er auch am Rande des Geheges.

Wert als Futterpflanze

Frauenmantel ist reich an sekundären Pflanzenstoffen. Er enthält Gerbstoffe, Bitterstoffe, geringe Mengen ätherischer Öle sowie Flavonoide. Er gilt als ungiftig und kann als ergänzende Futterpflanze angeboten werden. Aufgrund seines Gehalts an Gerbstoffen sollte er – wie viele Wildkräuter – Bestandteil einer abwechslungsreichen Mischung sein, jedoch nicht dominierend gefüttert werden.

Die Blätter werden von vielen Landschildkröten angenommen und tragen zur Strukturvielfalt im Futterangebot bei.

Auch als Versteckpflanze geeignet

Mit Wuchshöhen von etwa 30–40 cm bildet der Gewöhnliche Frauenmantel lockere, strukturreiche Horste. Diese bieten Jungtieren wie auch adulten Tieren Deckung, Schatten und Rückzugsmöglichkeiten. Besonders in naturnah gestalteten Gehegen unterstützt die Pflanze damit nicht nur die Ernährung, sondern auch das Mikroklima und das Sicherheitsgefühl der Tiere.

Eine traditionelle Heilpflanze

Traditionell wird Frauenmantel seit dem Mittelalter als Heilpflanze verwendet, insbesondere bei Menstruations- und Wechseljahresbeschwerden sowie bei Magen-Darm-Problemen. Auch äußerlich findet er Anwendung bei Wunden. Diese Aspekte sind für die Schildkrötenhaltung jedoch nicht relevant, zeigen aber die lange Nutzungsgeschichte der Pflanze.


Fazit:
Alchemilla vulgaris ist eine robuste, winterharte und vielseitig einsetzbare Pflanze für naturnahe Schildkrötengehege. Sie eignet sich sowohl als ergänzende Futterpflanze als auch als strukturgebende Versteckpflanze und trägt zu einem artenreichen, funktionalen Gehege bei.