
Die Futterauswahl für Europäische Landschildkröten
Einige verbreitete, leicht zu findende, abzuerntende und anzubauende Futterpflanzen für „Einsteiger“
Von den geeigneten Futterpflanzen für Schildkröten kommen einige in Mitteleuropa, insbesondere in Acker- und Wiesenlandschaften, häufig vor. Andere sind Kulturpflanzen, die in ihrer natürlichen Variante jedoch auch zum Einsatz kommen. Im Artikel Futter und Kalzium findet man mehr Beispiele für gesunde Futterpflanzen, und auch alles rund um die Verdauung und den Kalkbedarf.
Zu den häufig genutzten Arten zählen unter anderem:
1. Ackersalat (Valerianella locusta) : Auch bekannt als Feldsalat, ist eine zarte, gut verdauliche und von Landschildkröten gern gefressene Ergänzungsfutterpflanze. Bevorzugt werden sonnige bis halbschattige Standorte mit lockeren, humosen und eher frischen Böden. Ackersalat kommt häufig auf Äckern und in Gärten vor.
2. Löwenzahn (Taraxacum officinale) : Robuste, rohfaser- und mineralstoffreiche Grundfutterpflanze, die von Landschildkröten sehr gern gefressen wird und sonnige Standorte mit lockeren, nährstoffreichen bis mäßig trockenen Böden bevorzugt. Weit verbreitet in Wiesen und Gärten, bekannt für seine leuchtend gelben Blüten und die daraus entstehenden „Pusteblumen“. Sekundärstoffhaltig durch Bitterstoffe.
3. Gemeine Wegwarte (𝘊𝘪𝘤𝘩𝘰𝘳𝘪𝘶𝘮 𝘪𝘯𝘵𝘺𝘣𝘶𝘴): Rohfaserreiche, mineralstoffhaltige und sehr stabile Dauerfutterpflanze, die sonnige, trockene bis mäßig nährstoffarme Standorte bevorzugt. Durch Bitterstoffe sekundärstoffhaltig.
4. Wiesen-Pippau (𝘊𝘳𝘦𝘱𝘪𝘴 𝘣𝘪𝘦𝘯𝘯𝘪𝘴): Gut verdauliche und gern gefressene Ergänzungsfutterpflanze für sonnige bis halbschattige, eher magere Wiesenstandorte.
5. Malven (𝘔𝘢𝘭𝘷𝘢 spp.): Sehr beliebte, schleimstoffreiche Futterpflanzen mit guter Regenerationsfähigkeit, die sonnige bis halbschattige, nährstoffreiche bis mäßig trockene Böden bevorzugen.
6. Nachtkerze(𝘖𝘦𝘯𝘰𝘵𝘩𝘦𝘳𝘢 𝘣𝘪𝘦𝘯𝘯𝘪𝘴): Nährstoffreiche Ergänzungsfutterpflanze und strukturgebende Staude für sonnige, trockene und sandige Standorte.
7. Stiefmütterchen (𝘝𝘪𝘰𝘭𝘢 𝘵𝘳𝘪𝘤𝘰𝘭𝘰𝘳): Gut verträgliche, eher ergänzende Futterpflanze mit hohem Blütenanteil, die sonnige bis halbschattige, lockere und mäßig nährstoffreiche Böden bevorzugt.
8. Hundsrose (𝘙𝘰𝘴𝘢 𝘤𝘢𝘯𝘪𝘯𝘢): Strukturgebende Gehölzpflanze mit nutzbaren Blättern, Blüten und ballaststoffreichen Früchten für sonnige, trockene bis frische Standorte.
9. Weide (𝘚𝘢𝘭𝘪𝘹 spp.): Robuste Gehölzpflanze mit gut geeigneten, sekundärstoffreichen Blättern als gelegentliches Futter für sonnige bis halbschattige, frische bis feuchte Böden.
10. Chicorée (𝘊𝘪𝘤𝘩𝘰𝘳𝘪𝘶𝘮 𝘪𝘯𝘵𝘺𝘣𝘶𝘴 var. 𝘧𝘰𝘭𝘪𝘰𝘴𝘶𝘮): Gut verdauliche, mineralstoffreiche Ergänzungsfutterpflanze für sonnige Standorte mit lockeren, durchlässigen Böden.
11. Topinambur (𝘏𝘦𝘭𝘪𝘢𝘯𝘵𝘩𝘶𝘴 𝘵𝘶𝘣𝘦𝘳𝘰𝘴𝘶𝘴): Strukturgebende Hochstaude mit nutzbaren Blättern und Blüten als Ergänzungsfutter für sonnige, nährstoffreiche und lockere Böden.
12. Brennessel (Urtica dioica) – Sehr gesunde Futterpflanze, verbreitet in Europa, gedeiht gut auf nährstoffreichen Böden.
13. Johanniskraut (Hypericum perforatum): Aromatische, sekundärstoffreiche Wildpflanze, die von Landschildkröten gelegentlich gefressen wird und sonnige, trockene bis mäßig nährstoffarme Standorte bevorzugt.
14. Gänsedistel (Sonchus asper): Weichblättrige, gut verdauliche und meist sehr gern gefressene Futterpflanze, die sonnige bis halbschattige, nährstoffreiche und eher frische Böden bevorzugt.
15. Vogelmiere (Stellaria media): Zarte, sehr gut verdauliche und von Landschildkröten gern gefressene Ergänzungsfutterpflanze, die sonnige bis halbschattige Standorte mit nährstoffreichen, lockeren und eher feuchten Böden bevorzugt. Sehr häufig in Gärten, Feldern und Beeten zu finden, bekannt für das schnelle Wachstum.
16. Hirtentäschelkraut (Capsella bursa-pastoris) : Feinblättrige, gut verträgliche und von Landschildkröten gelegentlich gefressene Wildpflanze, die sonnige bis halbschattige Standorte mit lockeren, eher nährstoffreichen Böden bevorzugt. Häufig an Wegrändern, auf Äckern und Brachflächen.
All diese Pflanzen sind anpassungsfähig und gedeihen in verschiedenen Umgebungen, weshalb sie oft als „Beikraut“ oder abfälliger als „Unkraut“ bezeichnet werden, obwohl viele von ihnen nützliche Eigenschaften oder Anwendungen haben.

🐢🌱 Jahres-Aussaatkalender für Schildkrötengehege

🍂 September – November
👉 Wichtigste Aussaatzeit im Gehege
Ideal für
- Dunkelkeimer
- Kaltkeimer
- langlebige Wildstauden
- Strukturpflanzen
Aussäen z.B.
Grundfutterpflanzen
- Wegerich (𝘗𝘭𝘢𝘯𝘵𝘢𝘨𝘰 spp.)
- Malven (𝘔𝘢𝘭𝘷𝘢 spp.)
Strukturpflanzen
- Stockrosen (𝘈𝘭𝘤𝘦𝘢 spp.)
- Storchschnabel (𝘎𝘦𝘳𝘢𝘯𝘪𝘶𝘮 spp.)
- Nachtkerze (𝘖𝘦𝘯𝘰𝘵𝘩𝘦𝘳𝘢 𝘣𝘪𝘦𝘯𝘯𝘪𝘴)
Disteln
- Mariendistel (𝘚𝘪𝘭𝘺𝘣𝘶𝘮 𝘮𝘢𝘳𝘪𝘢𝘯𝘶𝘮)
- Eselsdistel (𝘖𝘯𝘰𝘱𝘰𝘳𝘥𝘶𝘮 𝘢𝘤𝘢𝘯𝘵𝘩𝘪𝘶𝘮)
- Kratzdisteln (𝘊𝘪𝘳𝘴𝘪𝘶𝘮 spp.)
👉 Vorteil
Natürliche Winterstratifizierung der Kaltkeimer→ sehr stabile Frühjahrskeimung
❄️ Dezember – Februar
Bei längerer Kälteperiode ist noch eine späte Aussaat von Kaltkeimern möglich. Aussaat direkt in das Erdreich in Gewächshaus oder Frühbeet, im Hochbeet mit Frühbeetaufsatz, und in Anzuchtschalen auf der Fensterbank.
Sinnvolle Maßnahmen
- Samen bis zur Verwendung dunkel und trocken lagern
- Erdboden und Blumenerde vorbereiten durch Auflockerung, Harken, Sieben, Aufkalken mit Dolomitkalk.
- Stratifizierung von Kaltkeimern notfalls auch leicht angefeuchtet im Kühlschrank möglich

🌸 März – April
👉 Hauptzeit für Lichtkeimer
Aussäen z.B.
- Löwenzahn (𝘛𝘢𝘳𝘢𝘹𝘢𝘤𝘶𝘮 spp.)
- Wegwarte (𝘊𝘪𝘤𝘩𝘰𝘳𝘪𝘶𝘮 𝘪𝘯𝘵𝘺𝘣𝘶𝘴)
- Schafgarbe (𝘈𝘤𝘩𝘪𝘭𝘭𝘦𝘢 𝘮𝘪𝘭𝘭𝘦𝘧𝘰𝘭𝘪𝘶𝘮)
- Ferkelkraut (𝘏𝘺𝘱𝘰𝘤𝘩𝘰𝘦𝘳𝘪𝘴 𝘳𝘢𝘥𝘪𝘤𝘢𝘵𝘢)
- Gänsedistel (𝘚𝘰𝘯𝘤𝘩𝘶𝘴 spp.)
- Glockenblumen (𝘊𝘢𝘮𝘱𝘢𝘯𝘶𝘭𝘢 spp.)
- Pippau (𝘊𝘳𝘦𝘱𝘪𝘴 spp.)
- Habichtskräuter (𝘏𝘪𝘦𝘳𝘢𝘤𝘪𝘶𝘮 spp.)
👉 Lichtkeimer nur andrücken und leicht feucht halten, nicht mit Erde bedecken.
🌼 Mai – Juni
👉 Ergänzungs- und Strukturpflanzen
Aussäen
- Wilde Möhre (𝘋𝘢𝘶𝘤𝘶𝘴 𝘤𝘢𝘳𝘰𝘵𝘢)
- Johanniskraut (𝘏𝘺𝘱𝘦𝘳𝘪𝘤𝘶𝘮 𝘱𝘦𝘳𝘧𝘰𝘳𝘢𝘵𝘶𝘮)
- Brennnessel (𝘜𝘳𝘵𝘪𝘤𝘢 𝘥𝘪𝘰𝘪𝘤𝘢)
Saisonpflanzen
- Kapuzinerkresse (𝘛𝘳𝘰𝘱𝘢𝘦𝘰𝘭𝘶𝘮 𝘮𝘢𝘫𝘶𝘴)
☀️ Juli – August
👉 Nur eingeschränkt sinnvoll
Möglich
- Nachsaat auf offenen Bodenstellen
- Feldsalat (𝘝𝘢𝘭𝘦𝘳𝘪𝘢𝘯𝘦𝘭𝘭𝘢 𝘭𝘰𝘤𝘶𝘴𝘵𝘢)
- Vogelmiere (𝘚𝘵𝘦𝘭𝘭𝘢𝘳𝘪𝘢 𝘮𝘦𝘥𝘪𝘢)
👉 häufig Bewässerung nötig

🌿 Ideale Saatstrategie für stabile Selbstversorger-Gehege
Herbst = Vegetationsbasis
- langlebige Pflanzen
- Strukturarten
- Disteln
- Malven
Frühjahr = Futterpflanzen-Dynamik
- Lichtkeimer
- schnelle Etablierer
- Anzucht auf Fensterbank/ Frühbeet
Sommer = Ergänzung & Nachsaat
- saisonale Pflanzen
- Lückenfüller
📊 Profi-Praxisregel
👉 60–70 % Herbstsaat
👉 30–40 % Frühjahrssaat
Damit entstehen die stabilsten Selbstversorger-Gehege.