Die Weiden (Gattung Salix) umfassen weltweit rund 500 Arten und gehören zu den wichtigsten heimischen Gehölzen feuchter Standorte. In Europa, Asien und Nordamerika sind sie weit verbreitet. Typisch für alle Weidenarten sind ihre früh im Jahr erscheinenden Kätzchen, die oft schon vor dem Laubaustrieb blühen und eine zentrale Rolle für Insekten spielen.

Die Ohr-Weide (Salix aurita)
Die Ohr-Weide, auch Öhrchen- oder Salbei-Weide, ist ein sommergrüner, stark verzweigter Strauch, der bis etwa drei Meter hoch wird. Sie gehört zur Familie der Weidengewächse (Salicaceae) und wächst vom Tiefland bis in alpine Lagen von fast 2.000 Metern. Ohr-Weiden kommen auch in den natürlichen Verbreitungsgebiete Europäischer Landschildkröten vor.
Typische Merkmale:
- graubraune, sparrige Zweige
- verkehrt-eiförmige, behaarte Blätter mit heller, graublauer Unterseite
- früh erscheinende Kätzchen vor dem Laubaustrieb
- zweihäusig (männliche und weibliche Pflanzen getrennt)
Die Ohr-Weide besiedelt im Habitat Bach- und Seeufer sowie lichte Wälder, Garrigue und Macchia und ist ein beliebtes Versteck.
Eignung als Futterpflanze für Landschildkröten
Weiden – insbesondere Ohr-Weide, Silberweide und Korbweide – sind für Landschildkröten sehr gut als ergänzende Futterpflanzen geeignet:
- ungiftig
- rohfaserreich
- arm an Eiweiß
- reich an sekundären Pflanzenstoffen
Gefressen werden vor allem:
- Blätter
- junge Zweige
- getrocknet auch als Bestandteil von Kräuterheu
Die enthaltenen Salicylate wirken leicht entzündungshemmend und passen gut in eine naturnahe, strukturreiche Ernährung. Weiden sollten dabei ergänzend, nicht als Hauptfutter, angeboten werden.
Bedeutung im naturnahen Gehege
Weiden sind nicht nur Futterpflanzen, sondern echte ökologische Multitalente:
- extrem bienen- und insektenfreundlich
- wichtige Pollen- und Nektarquelle im zeitigen Frühjahr
- Raupenfutterpflanze für über 30 Schmetterlingsarten
- strukturgebend, schattenspendend und windbrechend
Gerade die Ohr-Weide liefert bereits sehr früh im Jahr Nahrung für Wildbienen, insbesondere Sandbienen , wenn sonst kaum Blüten verfügbar sind.

Standort & Pflege
- feuchte, humose bis torfige Böden
- leicht sauer bis mäßig sauer
- kalkarm
- sonnig bis licht halbschattig
- sehr schnittverträglich
Aufgrund der bevorzugten Bedingungen und der Größe kann man die Weide besser in etwas Humus an den Rand des Geheges pflanzen. Ein regelmäßiger Rückschnitt wird gut vertragen, er fördert einen buschigen Wuchs und liefert gleichzeitig frisches Futter.
Zusatznutzen
Neben ihrer großen ökologischen Bedeutung werden Weiden seit der Antike auch medizinisch genutzt. Die Weidenrinde enthält Salicin, das im Körper zu Salicylsäure umgewandelt wird – dem natürlichen Vorläufer der Acetylsalicylsäure (Aspirin).
Das Laub der Weide ist schnell kompostierbar und eignet sich hervorragend:
- für Laubkompost
- als Mulchmaterial
- zur Förderung der Humusbildung
Fazit
Weiden sind ökologisch äußerst wertvolle Futter- und Versteckpflanzen für naturnahe Landschildkrötengehege. Sie liefern abwechslungsreiche Nahrung, fördern Biodiversität und bieten Insekten bereits früh im Jahr lebenswichtige Ressourcen. 🌿🐢
