Wiesen-Pippau als Futterpflanze für Landschildkröten

Der Wiesen-Pippau (Crepis biennis), auch Zweijähriger Pippau genannt, gehört zur Familie der Korbblütengewächse (Asteraceae) und ist in Europa weit verbreitet. In naturnahen Schildkrötengehegen und auf extensiven Wiesen ist er eine wertvolle, durch seine langen Fasern gut geeignete Futterpflanze für herbivore Landschildkrötenarten.

Wiesen-Pippau erreicht eine Höhe von bis zu 120 cm erreichen, auf Magerwiesen und Kalkschotter im Gehege bleibt er jedoch meist kleiner.

Botanische Merkmale

Der Wiesen-Pippau ist eine zweijährige, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von etwa 30 bis 120 Zentimetern erreicht. Der Stängel wächst steif aufrecht, ist im unteren Bereich meist unverzweigt und kann purpurbräunlich überlaufen sein.

Die Laubblätter sind frischgrün, kahl bis leicht behaart und variieren je nach Position:

  • Grundblätter: keilig-länglich und gestielt
  • Stängelblätter: länglich bis lanzettlich, sitzend, gezähnt bis fiederspaltig

Typisch ist, dass die Blattränder nicht eingerollt sind und die „Sägezähne“ nach unten zeigen – ein gutes Bestimmungsmerkmal.

  • Blüten: Die goldgelben Blütenköpfe (ca. 10–13 mm lang) blühen von Mai bis September.
  • Blätter: Die Blätter ähneln stark denen des Löwenzahns, sind jedoch im Gegensatz zu diesem auch am Stängel verteilt. Im Rosettenstadium ist eine Unterscheidung zum Löwenzahn oft schwierig.
Wiesen-Pippau auf einer Wiese

Blüte & Frucht

Die Blütezeit reicht je nach Standort von Mai bis Juni, teilweise bis in den Spätsommer. Die goldgelben Blütenkörbchen erreichen einen Durchmesser von etwa 25–35 mm und bestehen ausschließlich aus Zungenblüten.

Nach der Blüte bilden sich längliche Achänen mit weißem Pappus, die durch Wind verbreitet werden, ähnlich dem Löwenzahn. Die Pflanze vermehrt sich überwiegend ohne Befruchtung.


Eignung als Futterpflanze

Der Wiesen-Pippau wird von Weidetieren gern gefressen und ist auch für Landschildkröten gut geeignet:

  • ungiftig
  • rohfaserreich
  • bitteres Wildkraut
  • gut verdaulich

Gefressen werden vor allem die bitteren Blätter, junge Stängel und Blüten. Durch seine Struktur trägt er zu einer abwechslungsreichen, bitter- und ballaststoffreichen Ernährung bei und passt gut in die saisonale Wildkräuterfütterung.

Heilkunde: Historisch wurde die Pflanze ähnlich wie die Wegwarte bei Verdauungsproblemen eingesetzt.


Standort & Vorkommen

Crepis biennis wächst bevorzugt:

  • auf Wiesen
  • an Wegrändern
  • auf nährstoffreichen Böden
  • an sonnigen bis halbschattigen Standorten

Er ist eine typische Art der Glatthaferwiesen und kommt in Europa vom Tiefland bis in alpine Lagen vor. Für naturnahe Selbstversorger-Gehege mit Kalkschotter ist er geeignet, auch wenn er dort aufgrund seiner Vorliebe für nährstoffreiche Böden nicht besonders groß wird.

Wiesen-Pippau ähnelt dem Löwenzahn, außerdem besteht aufgrund der Blüten eine Verwechslungsgefahr mit dem giftigen Jakobskreuzkraut, dessen Laub jedoch deutlich feiner zerteilt ist. 

Bedeutung im naturnahen Gehege

Der Wiesen-Pippau ist:

  • bienen- und insektenfreundlich, Wiesen-Pippau ist eine wertvolle Nahrungsquelle für Insekten
  • Besonders spezialisiert ist die Pippau-Sandbiene (Andrena fulvago), die ihren Pollen fast ausschließlich an Pippau-Arten sammelt.
  • eine heimische Wildpflanze
  • ökologisch wertvoll und ein Beitrag zur Biodiversität
  • für strukturreiche Selbstversorger-Gehege

Fazit

Der Wiesen-Pippau (Crepis biennis) ist eine empfehlenswerte Futterpflanze für Landschildkröten. Alle Teile der Pflanze sind fressbar. Sie schmecken ähnlich wie Löwenzahn herb-bitter. Er verbindet guten Futterwert mit ökologischer Bedeutung und eignet sich hervorragend für naturnahe Gehege und Wildpflanzenflächen. 🌿🐢