Woche 6 Temperaturabsenkung

🗓️ Endspurt in die Starre

Die Temperaturen für alle Tiere werden nun in den Starrebereich von 5-6 °C heruntergefahren. Bleiben die Temperaturen an den Tieren dauerhaft unter 8 °C, sinken die Schildkröten allmählich in die Kältestarre.

In Woche 6 ist man mit der Absenkung der Grundtemperatur in der Regel bereits bei 5-6 °C angekommen. Damit sorgt man für ein ideales Temperaturniveau und wartet ab, bis das Wetter mitspielt, denn wir sind natürlich für die Winterstarre auf passende niedrige Außentemperaturen angewiesen. Hierbei gilt es, Geduld zu bewahren, den Tieren zu vertrauen und nicht einzugreifen, wenn es nicht nötig ist.

Eine wichtige Rolle spielt nun die Temperaturkontrolle auf Höhe der Tiere und die Überwachung der Heizungsleistung. Genügt diese nicht, muss für zuverlässige Heizleistung, zum Beispiel durch eine Gewächshaus-Heizung, gesorgt werden.

Maurische Landschildkröten Testudo graeca

Manche Halter fahren ihre Tiere aus den südlichen Verbreitungsgebieten in Süd-Spanien und der Südtürkei später herunter, um ihnen ein Temperaturniveau wie in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet anzubieten. Nun sollten auch diese Tiere allmählich bei Temperaturen im Starrebereich von 5-6 °C ankommen.

Ist man mit den Temperaturen noch oberhalb dieses Bereichs, senkt man wiederum maximal 1 °C am Tag ab, bis man im gewünschten Temperaturbereich angekommen ist.

Solange sich einzelne Tiere noch sonnen, bietet man die warme, helle UV-Lampe weiterhin für fünf Stunden täglich an, bei lokal unter dem Spot 35 °C auf Panzerhöhe. Aktiven Tieren bietet man auch weiterhin Futter und frisches Badewasser an.

Sind jedoch alle Tiere am Ende der Vorbereitungszeit bereits eine Woche abgetaucht und zeigen sich nicht mehr, kann die Sonnenlampe nun ausgeschaltet werden.

Die Sonnenlampe bleibt an, solange noch gelegentlich gesonnt wird. Erst wenn am Ende der Vorbereitungszeit alle Tiere 1 Woche inaktiv waren, kann sie ausgeschaltet werden.

Sobald die Temperaturen dauerhaft unter 8 Grad liegen, wird die Aktivität weniger, und die Tiere ziehen sich zurück in den Ruhezustand, bevor sie in die Starre sinken.

Dennoch kann es vorkommen, dass Tiere nach einigen Tagen noch einmal auftauchen, um sich zu sonnen, zu baden, und eventuell Kot oder Urat abzusetzen. Daher ist es wichtig, bei der selbständigen Vorbereitung der Tiere die warme UV-Lampe nicht zu schnell abzustellen. Ohne Sonnenlampe sind die Tiere nicht in der Lage, den Stoffwechsel noch aufrecht zu erhalten, wenn es nötig sein sollte.

Das selbständige Aufsuchen der Badeschüssel gehört zur artgerechten Vorbereitung unserer Schildkröten auf die Starre dazu.

Unerfahrene Halter sind durch dieses Verhalten unserer Schildkröten häufig verwirrt. Man kann nur dazu raten, die Tiere in ihrem Tempo machen zu lassen, und nicht einzugreifen. Schildkröten haben nicht ohne Grund die Dinosaurier überlebt. Das Ruhen und die Inaktivität, aber auch das Wiederauftauchen zum Sonnen und Baden sind natürlich und kein Grund zur Sorge. Mit den sinkenden Grundtemperaturen werden die Tiere früher oder später in die Kältestarre sinken. Wir haben keine Eile, sondern sichern nur die notwendigen Parameter ab.

Temperaturkontrolle am Tier

Die Kontrolle der Temperaturen bleibt weiterhin essenziell. Ausschlaggebend für uns sind immer die Temperaturen an den Tieren, weshalb wir großen Wert auf eine zuverlässige Temperaturkontrolle legen. Es reicht nicht aus, sich auf das Thermostat zu verlassen. Das Thermostat kann ein Gerät nur dann im gewünschten Temperaturbereich steuern, wenn es auch über die richtige Heizleistung für den gewünschten Temperaturbereich verfügt. In den letzten Wochen kamen viele Heizgeräte, besonders Dunkelstrahler, an ihre Grenzen, Tiere sind erfroren oder wurden schwer verletzt. Durch die niedrigen Temperaturen erlitten sie teils Gehirn- und Organschäden und Erfrierungen.

Ich kann nur immer wieder die Nutzung einer Gewächshausheizung empfehlen, die die Temperaturen an den Tieren in Verbindung mit einem Thermostat zuverlässig absichert.

Smart-Thermometer kommen sowohl im Frühbeet, als auch im Kühlschrank zum Einsatz bei der wichtigen Temperatur-Kontrolle (hier: Mobile Alerts von Technoline).

Temperatur-Überwachung an den Tieren am Starreort

  • Bei vergrabenen Tieren misst man mittels Sondenthermometer direkt in der Erde, zwischen Tier und kalter Außenwand.
  • Befindet sich die Schildkröte obenauf, kann man die Temperatur seitlich am Tier mit einem Laserthermometer erfassen oder auf Schildkrötenhöhe mit dem Sonden-Thermometer messen.

Bewährt haben sich für die Temperatur-Überwachung Smart-Thermometer, z.B. Pro-Sensoren von Mobile Alerts und WeatherHub. Hierbei handelt es sich um vollkompatible Systeme. Die Daten werden mittels Funk zum Gateway geschickt, das sie über den Router ins Internet einspeist. Man kann dann über eine App auf dem Smartphone Push-Nachrichten mit Temperatur-Alarmen einrichten.

Das Smart-Thermometer System von Weather Hub/ Mobile Alerts bewährt sich seit vielen Jahren bei der Überwachung von Gruben- und Kühlschrankstarre. Besonders empfehlenswert sind die Pro-Sensoren mit einer größeren Sendeleistung und einer grafischen Darstellung der Temperaturkurven in der App.

Zusätzlich kann man ideal Laser-Thermometer zur kontaktlosen Temperaturkontrolle von Schildkröten, die obenauf sitzen, oder nur halb vergraben sind, einsetzen. Hier misst man seitlich am Panzer, natürlich nur an Tagen ohne Frost.

Laser-Thermometer zur berührungslosen Temperatur-Kontrolle sind in der modernen Schildkrötenhaltung unerlässlich. Hier im Bild sichtbar ist auch die wichtige Temperaturkontrolle der Bodentemperatur und der Temperatur unterm Sonnenplatz.

Ein Laser-Thermometer, auch Infrarot-Thermometer genannt, kann auch sehr gut zur Messung der Substrat-Temperatur eingesetzt werden. Es ist sehr wichtig, diese zu kennen, da sich Schildkröten als wechselwarme Tiere mit ihrer Körpertemperatur sowohl an die Luft- als auch an die Substrattemperatur angleichen. Es ist fürs Temperaturmanagement im Frühbeet also wichtig, beide zu kennen. Gerade unerfahrene Halter machen oft den Fehler, nicht beides zu überwachen. Mithilfe von Smart-Thermometern mit 2 Messpunkten ist die Überwachung jedoch einfach zu gewährleisten.

Im Frühbeet: Platzierung der Sensoren von Thermostat und Thermometer

Der Sensor des Thermostats zur Heizungssteuerung wird stets knapp über dem Erdboden platziert, während der Sensor des Sondenthermometers den Tieren beim Abtauchen in die Grube folgen kann. Zu berücksichtigen ist hierbei, dass der Sensor zwischen Tier und kalter Außenwand positioniert wird. Solange sich noch Tiere an der Oberfläche befinden, sollte jedoch auch die Temperatur im Frühbeet auf Höhe der Tiere weiterhin überwacht werden.

Thermostat-Sensoren der Heizungssteuerung werden, im Unterschied zu Thermometer-Sensoren zur Temperaturüberwachung, nie ins Erdreich gesteckt.

Grubenstarre- was ist jetzt zu tun?

Bei Schildkröten, die in der gegen Frost und Fressfeinde gesicherten Grube starren sollen, kann man nach einer Woche der Inaktivität aller Tiere die Sonnenlampe ausstellen, und den Grubenbereich mit lockerem Buchenlaub auffüllen. Buchenlaub hat sich bei der Überwinterung bewährt, da es formstabil bleibt, und nicht zum Schimmeln neigt. Zu Bedenken ist, dass isolierung in beide Richtungen wirkt, und auch eventuelle Wärme der Heizung einen großen Laubhaufen nicht durchdringen kann.

Die Temperaturen sollten bei Europäischen Landschildkröten möglichst auf einen Temperaturbereich von 5-6 °C abgesichert werden. Zu beachten ist bei der Regulierung unbedingt die Hysterese des Thermostats, damit die Temperatur nicht zu stark absinkt.

Bei Nutzung eines Schlafhauses, muss gewährleistet werden, dass die Schildkröten im beheizten Bereich bleiben. Bei der Heizung mit Deckelheizungen hat sich das Zwei-Stufen-Prinzip bewährt: Temperatursicherung durch Deckelheizung und eine Gewächshausheizung, die nur dann einspringt, wenn die Deckelheizung die benötigte Temperatur von 5-6 °C nicht gewährleisten kann. Mehr zum Thema Technik findet man hier.

Gewächshaus-Heizungen werden stets durch ein hochwertiges externes Thermostat mit dem Sensor auf Schildkrötenhöhe gesteuert, und stellen eine sichere und zuverlässige Art der Temperaturabsicherung dar.

Um die Temperaturen an den Tieren zu stabilisieren kann man, sobald die Tiere sich seit mindestens einer, besser 2 Wochen dauerhaft unter 8 °C befinden, das Frühbeet mit Styrodur und Noppenfolie isolieren. Durch diese Isolierung bleiben die Temperaturen im Frühbeet konstanter und der Treibhauseffekt wird ausgeschaltet. Bei Isolierung und Abdunkelung der Frühbeete empfiehlt sich die Installation einer Kamera mit Bewegungsalarm, um die Tiere ebenso wie unerwünschte Prädatoren im Auge behalten zu können.

Beispiele für die Isolierung des Frühbeets, Foto links im bild von J. Schernus und rechts von B. Wagner.

Achtung:
Verwendet man einen Dunkelstrahler, so sollte man alles brennbare Material (Stroh, Laub, Holz etc.) wegen der hohen Brandgefahr aus dem Strahlungsbereich weiträumig fernhalten. Es empfiehlt sich, stattdessen einen Gewächshaus-Heizlüfter zu verwenden, siehe Technik. Wichtig ist auch die regelmäßige Temperaturkontrolle im Strahlungsbereich.

Leider sind in Verbindung mit Dunkelstrahlern bereits viele Unfälle passiert, besondere Vorsicht ist geboten.
Reservetechnik ist sowohl für Gruben-, als auch Kühlschrank-Überwinterer ein wichtiges Thema.

Sehr wichtig ist das Vorhalten von Reserve-Technik, da die meisten Geräte unpassenderweise an Wochenenden oder Feiertagen versagen. Hat man die nötigen Komponenten in Reserve, muss es dadurch auch im eisigen Winter nicht zu gefährlichen Situationen für unsere Schildkröten kommen. Auch Kühlschrank-Überwinterer sollten Reserve-Technik vorhalten, und ein zusätzliches Not-Aus-Thermostat.

Taschendinos Handbuch Technik“
➡️ Alles rund um Technik, Temperaturmanagement rund ums Jahr, auch zur Grubenstarre inklusive Anleitung zum Grubenbau.

Den Kühlschrank fertig einfahren und Absichern

Smart-Thermometer-Sensor von Mobile Alerts in der Pro-Version mit 2 Messpunkten, der hier die Substrat- und Lufttemperatur hinten in der Starrebox misst.

Der Kühlschrank sollte nun vollständig in den Bereich von 4,5–7 °C eingefahren sein. Gemessen wird idealerweise hinten in den Boxen unter dem Laub, da dort die kritische kälteste Temperaturzone ist, die abgesichert werden muss.

Ist der Kühlschrank seit einer Woche gut eingefahren in diesen Bereich, kann man das Not-Aus bereits einmal in der kältesten Box mitlaufen lassen, ohne den Kühlschrank einzustecken. Dann kann man täglich zusätzlich zu den Minimum-Maximum-Temperaturen in den verschiedenen Boxen auch die aktuelle Temperatur in der kältesten Box und die gleichzeitig am Not-Aus angezeigte Temperatur notieren. Dies hilft bei der späteren Einstellung des Not-Aus, und dem Temperaturabgleich.

Es gibt inzwischen eine Alternative zum derzeit schlecht verfügbaren UT300, hier zu finden: Einkaufsliste

Überführung der Tiere

Haben die Schildkröten im Frühbeet für etwa ein bis zwei Wochen dauerhaft unterhalb von 8 °C gestarrt, kann man sie in den eingefahrenen und durch das Not-Aus (UT300) abgesicherten Kühlschrank überführen.

Die fest starrenden Tiere werden gewogen, gecheckt und dann in eine Kuhle gesetzt. Der Rückenpanzer wird mit Substrat bedeckt, der Kopfbereich weiträumig freigelassen. Dann wird bis oben hin Laub aufgefüllt.

Vor dem Umsetzen erfolgt ein Wiegen und ein kurzer Rundumcheck der Tiere.
Sinnvoll ist, vorher die Checkliste Einwinterung zu konsultieren.

Richtwert Einwinterung in den Kühlschrank:
Nikolaus (6. Dezember) – Zeitpunkt für den Umzug in den Kühlschrank, sofern die Tiere ein bis zwei Wochen lang bei Temperaturen im Frühbeet dauerhaft unter 8 °C gestarrt haben.

Verfügt man über einen geeigneten Gewölbekeller, in dem man zumindest ein Jahr lang die Temperaturen während des Winters überprüft hat, so kann man mit den nötigen Vorsichtsmaßregeln die Schildkröten auch dort überwintern. Mehr dazu kann man hier nachlesen.
Moderne Keller sind jedoch aufgrund der derzeitigen Isolierungsstandards nicht geeignet, da sie zu warm sind. Von der Überwinterung auf Dachböden, in Gartenhäusern und Scheunen ist abzuraten, da dort die erforderlichen Temperaturen nicht gewährleistet werden können, und das wechselweise Risiko von Erfrieren und zu warmer Überwinterung („Herumdümpeln“ der Tiere) besteht.

Die Überführung in den Kühlschrank ist häufig um Nikolaus herum möglich.

Nachlesen: Taschendinos Handbuch Kühlschrank-Überwinterung“
➡️ Alle Details zur sicheren Vorbereitung, Temperaturführung, Kühlschrank-Überwinterung von A-Z und Auswinterung in artgerechte Haltung.

Das neue Taschendinos Kinderbuch „Anna und Mona – Freunde fürs Leben“

Anna und Mona – Freunde fürs Leben ist jetzt vorbestellbar.

Eine liebevoll von Frauke Hustinx erzählte Geschichte über Verantwortung, Lernen, echte Freundschaft und die richtige Pflege von Europäischen Landschildkröten für neugierige Kinder von 3-6 Jahren.

Die artgerechte Haltung Europäischer Landschildkröten wird am Beispiel der Griechischen Landschildkröte Mona spielerisch thematisiert, und zwar rund ums Schildkrötenjahr.

Kindgerecht erklärt werden sowohl die Starre im Kühlschrank als auch in der Grube, um den Kindern die häufig mit der Einwinterung einhergehende Sorge um ihre Tiere zu nehmen.

In Kürze exklusiv hier bei Taschendinos erhältlich zu Gunsten der schildkroetensuche.org