Die Auswinterung aus dem Kühlschrank 

Auswinterung in Warmhaltung nach der Kühlschrank-Überwinterung

Die Auswinterung aus dem Kühlschrank erfolgt Anfang bis Mitte März.

Der Saisonbeginn für Europäische Landschildkröten liegt in der Regel Anfang bis spätestens Mitte März. In besonders warmen Habitaten, beispielsweise der Türkei und Südspanien, sind erste Sichtungen von Schildkröten meist bereits Mitte Februar möglich.

Im März ist es also Zeit, auch unsere Tiere schonend aus der Winterstarre zu holen. Dabei werden die Tiere fest starrend aus dem Kühlschrank ins vorbereitete Frühbeet gebracht. Dort werden sie in artgerechte Warmhaltung mit Technik ausgewintert.

Wichtig:

Von selbst erwachen die Schildkröten als wechselwarme Tiere im Kühlschrank nicht. Sie sind darauf angewiesen, dass wir sie auswintern und die Temperaturen im Frühbeet hochfahren.


Kontrolle vor der Auswinterung

Im letzten Drittel der Starre sollten die Schildkröten alle zwei Wochen kontrolliert und gewogen werden. Bei den meisten Haltern steht also Mitte Februar noch eine letzte Kontrolle an. Viele Reptilientierärzte empfehlen eine maximale Starredauer von circa 12 Wochen. Unter 8 Wochen sollte die Starredauer möglichst nicht betragen. Wer zu lange wartet, riskiert, dass die Schildkröten den natürlichen Start in die aktive Jahreszeit verschlafen und ans Limit ihrer Energie-Reserven kommen.


Vorbereitung des Frühbeets und Geheges Mitte Februar

Damit die Auswinterung stressfrei gelingt, sollten das Frühbeet und Gehege mindestens zwei Wochen vorher vorbereitet sein. Eine To-do-Liste zur Vorbereitung der Auswinterung findet man hier:

In den zwei Wochen vor der Auswinterung sollte die Temperatur im Frühbeet nicht unter 8 °C fallen, damit sich der gefrorene Boden langsam erwärmt.

Einige Tage vor der Auswinterung empfiehlt es sich, das Frühbeet testweise auf 25 °C hochzuheizen, um sicherzugehen, dass die Technik zuverlässig arbeitet. Danach wird die Temperatur wieder auf 8 °C stabilisiert.

👉 Bodentemperatur messen!
Die Erde darf nicht kälter sein als das Substrat im Kühlschrank, da sich die Tiere bodennah aufhalten. Ein Sonden- und auch Laserthermometer fürs Temperaturmanagement ist unverzichtbar.

Mehr über verschiedene in der Schildkrötenhaltung genutzte Arten von Thermometern erfährt man hier.


Der richtige Zeitpunkt für die Auswinterung

Der Kühlschrank bleibt weiter in Betrieb – die Tiere sollen nicht dort aufwachen, sondern erst im vorbereiteten Frühbeet. Idealerweise bekommen sie vom gesamten Vorgang nichts mit und werden fest starrend ein- und wieder ausgewintert.

Man plant die Auswinterung abends unter der Woche (Montag bis Donnerstag). Sollte sich am Folgetag ein gesundheitliches Problem zeigen, ist ein Reptilientierarzt problemlos erreichbar.


Schritt für Schritt: Auswinterung aus dem Kühlschrank

Die Tiere werden einzeln gecheckt und fest starrend im Frühbeet ausgewintert.

Die Vorgehensweise bei der Auswinterung

  1. Tiere einzeln entnehmen – jeweils in ihrer Kühlschrankbox
  2. Kurzcheck durchführen: Bauchpanzer, Nase, Augen
  3. Wiegen und das Gewicht dokumentieren
  4. Im Frühbeet eine leichte Kuhle abseits von Lampe und Heizung formen
  5. Tier in Starrebox zum Frühbeet bringen, mit etwas Erde aus der Box nehmen
  6. Schildkröte mit dem Kopf in Richtung Sonnenplatz ausrichten und in die Kuhle setzen
  7. Einige Handvoll Erde aus der Box locker auf den Panzer geben (Kopf frei lassen)
  8. Laub aus der Box als Isolierschicht darüber verteilen
Die Ein- und Auswinterung erfolgt einzeln mit fest starrenden Tieren.
Die Schildkröte wird mit Erde aus der Box im Frühbeet in Richtung Sonnenplatz ausgerichtet und mit Laub bedeckt.

Herauffahren von Temperatur und Sonnenplatz nach der Auswinterung

Beim Herauffahren im März werden die Temperaturen und Sonnenstunden über 9 Tage zügig erhöht, damit die Schildkröten nicht bei unzureichenden Temperaturen herumdümpeln.
  • Erste Nacht: konstant 8 °C
  • Ab dem nächsten Morgen:
    • Start bei 12 °C, dann täglich +1 °C, bis 20 °C erreicht sind
  • Nachts deutlich abkühlen lassen, aber nicht mehr unter 12 °C

Bleiben Tiere wider Erwarten inaktiv oder sonnen sich nicht, können die Temperaturen etwas schneller angehoben und die Nachttemperaturen vorsichtig auf bis zu 16 °C erhöht werden.

👉 Die Temperatur direkt am Tier lässt sich am besten mit einem Laserthermometer kontrollieren.


Sonnenplatz & Beleuchtung

Der warme helle Sonnenplatz wird meist in kürzester Zeit aufgesucht, Foto von Anke Rotzler.
  • Tag 1: Man bietet direkt 5 Stunden Sonnenplatz an
  • Danach täglich +1 Stunde, Ziel sind zunächst 12 Stunden, später 14 Stunden warmer, heller Sonnenplatz mit UV.
  • Temperaturen unter dem Spot:
    • ca. 35 °C auf Panzerhöhe, gemessen am größten Tier

Ab dem ersten Tag werden täglich frisches Wasser und Futter angeboten.


Was ist normal – und wann wird es kritisch?

Innerhalb weniger Tage sollten die meisten Tiere:

  • trinken
  • aktiv werden
  • sich sonnen
  • fressen
  • baden
  • Urat absetzen

Bleibt ein Tier apathisch oder verweigert die Nahrungsaufnahme, ist aufmerksame Beobachtung Pflicht. Im Zweifel sollte zügig Rücksprache mit einem reptilienkundigen Tierarzt gehalten werden.

Mögliche Ursachen können unter anderem posthibernale Anorexie oder andere Stoffwechselstörungen sein.


Fazit

Eine gut geplante Auswinterung ist der Schlüssel für einen gesunden Start in die neue Saison. Wer Technik, Temperaturen und Zeitplan im Blick behält, ermöglicht seinen Landschildkröten einen stressarmen Übergang von der Winterstarre in die aktive Phase.

Hier geht es zum Vortrag Auswinterung:


📘 Mehr Details, Hintergründe und Checklisten im
Taschendinos Handbuch Kühlschrank-Überwinterung
.


Was tun bei Anlaufproblemen?

Nach der Winterstarre zeigen Europäische Landschildkröten nicht selten Anlaufprobleme. Bleibt die Futteraufnahme aus, wirkt das Tier lethargisch oder verliert weiter an Gewicht, kann beispielsweise eine Unterzuckerung oder eine posthibernale Anorexie vorliegen. Der Artikel Alarmzeichen nach der Winterstarre erläutert physiologische Anpassungsprozesse, differenziert zwischen normaler Anlaufphase und behandlungsbedürftigen Störungen und beschreibt die wichtigsten Alarmzeichen für eine frühzeitige tierärztliche Abklärung.

Bei Anlaufproblemen sollte man zur Abklärung schnellstmöglich einen Reptilientierarzt hinzuziehen.

Zum Artikel über die Auswinterung aus der Grube:

Die Auswinterung aus der Grube, Foto: Anke Rotzler.