Injektionen bei Schildkröten

Warum bei Schildkröten Injektionen in das vordere Körperdrittel gegeben werden

Injektionen bei Schildkröten sollten immer ins vordere Körperdrittel erfolgen.

Kurz gesagt: Der Hauptgrund ist das Pfortadersystem der Niere (Renal Portal System).

Das Problem: Spritzt man in das hintere Drittel, kann das Blut direkt durch die Nieren fließen, bevor es den Rest des Körpers erreicht.

Die Folgen: Das Medikament wird entweder zu schnell ausgeschieden (=wirkungslos) oder es kann die Nieren schädigen (=toxisch).

Die Lösung: Injektionen in die Vorderbeine oder den Halsbereich stellen sicher, dass der Wirkstoff erst den gesamten Kreislauf durchläuft und überall dort ankommt, wo er gebraucht wird.


Detailinformationen

Injektionen bei Schildkröten werden aus anatomischen und physiologischen Gründen primär in das vordere Körperdrittel (Vordergliedmaßen oder Halsregion) verabreicht. Dies dient dazu, die Wirkung des Medikaments zu sichern und Schäden an den inneren Organen zu verhindern.

Hier sind die Hauptgründe:

  • Vermeidung des Nieren-Portalgefäßsystems: Reptilien, einschließlich Schildkröten, besitzen ein Nieren-Portalgefäßsystem (Renal Portal System). Wenn Medikamente in die hintere Körperhälfte (Hinterbeine oder Schwanz) gespritzt werden, besteht das Risiko, dass das Blut direkt in die Nieren geleitet wird. Dort kann das Medikament entweder vorzeitig ausgeschieden, inaktiviert oder durch zu hohe Konzentrationen die Nieren geschädigt werden.
  • Sichere Verteilung (Vorderkörper):Injektionen in die Muskeln der Vordergliedmaßen (z. B. Oberarmmuskulatur) garantieren, dass das Medikament über den allgemeinen Blutkreislauf im gesamten Körper verteilt wird, bevor es die Nieren zur Ausscheidung erreicht.
  • Anatomische Zugänglichkeit: Der Panzer schützt die inneren Organe. Die weicheren Bereiche im Hals-Schulter-Bereich sind für eine intramuskuläre oder subkutane Injektion besser erreichbar als andere Bereiche.
  • Schutz vor Komplikationen: Eine Injektion im hinteren Bereich kann bei Schildkröten zu schweren motorischen Störungen führen, einschließlich eines kompletten Blocks der Kloake und der Hintergliedmaßen. 

Wichtiger Hinweis: Die Durchführung von Injektionen sollte stets durch einen reptilienkundigen Tierarzt erfolgen. Die Injektion erfolgt üblicherweise in die Oberarmmuskulatur, wobei die Kanüle leicht nach kranial (kopfwärts) eingeführt wird


Zentrale Fachliteratur & Quellen

  • Tiermedizinische Fakultäten: Die Universität Leipzig beschreibt in ihren Anleitungen zur intramuskulären Injektion, dass die Injektionsstelle am Übergang vom ersten zum mittleren Körperdrittel gewählt werden sollte, um das Nierenpfortadersystem zu umgehen.
  • Standardwerke zur Reptilienmedizin:
    • Kölle, P. & Blahak, S.: ReptilienSkills: Praxisleitfaden Schildkröten, Echsen und Schlangen. Dieses Werk betont die Notwendigkeit, bei potenziell nephrotoxischen (nierenschädigenden) Substanzen die Vorderbeine zu nutzen.
    • Sassenburg, L.:Schildkrötenkrankheiten. Ein Standardwerk zur Diagnose und Therapie, das die anatomischen Besonderheiten des Blutkreislaufs erläutert.
  • Wissenschaftliche Datenbanken (PubMed/ScienceDirect): Studien wie die von Holz et al. (PubMed)untersuchten den Effekt des Pfortadersystems auf die Pharmakokinetik und bestätigten, dass bestimmte Medikamente bei Injektion in die Hintergliedmaßen schneller ausgeschieden werden können. 

Zusammenfassung der Fakten aus den Quellen

  1. Anatomie: Das Blut aus dem Schwanz und den Hinterbeinen fließt bei Reptilien erst durch die Nierenkapillaren, bevor es das Herz erreicht.
  2. Pharmakologie: Medikamente (insbesondere Penicilline oder Aminoglykoside) können bei einer „hinteren“ Injektion direkt in den Nieren konzentriert werden. Dies führt entweder zu einer zu schnellen Ausscheidung (Wirkverlust) oder zu Nierenschäden durch hohe Wirkstoffkonzentrationen.
  3. Praxis: Fachärzte wie die der Tierarztpraxis Green Valleyempfehlen daher Injektionen in die Schulter- oder Achselregion.