Witwenblume

Witwenblumen als Futterpflanze für Landschildkröten

Die Acker Witwenblume Knautia arvensis ist ein gesundes, rohfaserreiches Futter für unsere Schildkröten

Was sind Witwenblumen?

Witwenblumen der Gattung 𝘒𝘯𝘢𝘶𝘵𝘪𝘢 zählen zu den besonders wertvollen Wildpflanzen für Europäische Landschildkröten. Die mehrjährigen Pflanzen sind im Habitat im Mittelmeerraum weit verbreitet und kommen auch in Deutschland häufig auf trockenen Wiesen, an Böschungen und Wegrändern vor.

Besonders die Acker-Witwenblume (𝘒𝘯𝘢𝘶𝘵𝘪𝘢 𝘢𝘳𝘷𝘦𝘯𝘴𝘪𝘴) eignet sich hervorragend als naturnahe Futterpflanze im Schildkrötengehege. Auch andere Arten der Gattung werden von herbivoren Landschildkröten gut angenommen und bereichern naturnahe Gehege optisch wie ökologisch.

Futterwert für Europäische Landschildkröten

Die Pflanzen treiben bereits früh im Frühjahr aus und liefern rohfaserreiches Laub, das besonders nach der Winterstarre gern gefressen wird. Auch junge Triebe, Blütenknospen und Blüten werden von vielen Landschildkröten sehr gut angenommen.

Durch ihren eher trockenen und nährstoffarmen Standortcharakter passen Witwenblumen hervorragend in die Ernährung Europäischer Landschildkröten. Sie eignen sich besonders gut als naturnahe Struktur- und Ergänzungsfutterpflanzen in extensiv bepflanzten Freigehegen.

Blütezeit und Wachstum

Die Hauptblütezeit der Acker-Witwenblume reicht meist von Juni bis September. Unter günstigen Bedingungen können einzelne Pflanzen sogar bis in den Oktober hinein blühen. Die zahlreichen violett bis rosafarbenen Blüten erscheinen auf langen, schlanken Stängeln und sorgen über Monate hinweg für Farbakzente im Gehege.

Je nach Standort erreichen Witwenblumen Wuchshöhen zwischen etwa 30 und 100 Zentimetern. Die Pflanzen wachsen horstig und wirken besonders natürlich in locker strukturierten Futterpflanzen-Bereichen.

Anbau im Schildkrötengehege

Witwenblumen bevorzugen sonnige, warme und eher trockene Standorte. Ideal sind durchlässige, kalkhaltige und nährstoffarme Böden. Staunässe wird schlecht vertragen.

Die Aussaat erfolgt am besten direkt ins Freiland im Frühjahr oder Spätsommer. Da es sich um Lichtkeimer handelt, sollten die Samen nur leicht angedrückt und nicht mit Erde bedeckt werden. Nach erfolgreicher Etablierung versamen sich die Pflanzen häufig selbst und bilden mit der Zeit lockere Bestände.

Witwenblume für Landschildkröten – Robuste Wildpflanze mit hohem Futterwert

Witwenblumen sind ausgesprochen pflegeleicht, winterhart und trockenheitsresistent. Ein zu nährstoffreicher Boden oder intensive Bewässerung fördern dagegen oft weiches Wachstum und verringern die Standfestigkeit.

Für naturnahe Schildkrötengehege mit Kalkschotter eignen sich Witwenblumen besonders gut in Kombination mit Wegwarte, Malven, Nachtkerzen oder verschiedenen Wegericharten.

Witwenblumen als Biodiversitätspflanze

Neben ihrem Nutzen als Futterpflanze besitzen Witwenblumen auch einen hohen ökologischen Wert. Die nektarreichen Blüten ziehen zahlreiche Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen und Schmetterlinge an und machen die Pflanzen zu wichtigen Bestandteilen naturnaher Lebensräume.

Von besonderer Bedeutung ist die Pflanze für spezialisierte Wildbienen wie die Knautien-Sandbiene (𝘈𝘯𝘥𝘳𝘦𝘯𝘢 𝘩𝘢𝘵𝘵𝘰𝘳𝘧𝘪𝘢𝘯𝘢). Diese sammelt ihren Pollen nahezu ausschließlich an Witwenblumen und nah verwandten Skabiosen. Ohne geeignete Bestände dieser Pflanzen kann sich die seltene Wildbiene langfristig nicht erhalten.

Auch verschiedene Schmetterlingsarten nutzen Witwenblumen als wichtige Nektarquelle. Darüber hinaus dienen die Pflanzen einigen Arten sogar als Raupenfutterpflanze. Die lange Blütezeit von Frühjahr bis Spätsommer sorgt dabei über viele Monate hinweg für ein kontinuierliches Nahrungsangebot.

Witwenblumen vernetzen als sogenannte Trittsteinpflanzen verschiedene Lebensräume miteinander.

Selbst die trockenen Samenstände besitzen noch einen ökologischen Nutzen und werden im Winter von verschiedenen Vogelarten genutzt. In naturnahen Landschaften übernehmen Witwenblumen zudem eine wichtige Funktion als sogenannte Trittsteinpflanzen. Sie vernetzen Lebensräume miteinander und unterstützen dadurch den Austausch von Insektenpopulationen zwischen einzelnen Biotopen.

Ähnliche Arten

Die Blüten ähneln denen der Skabiosen (𝘚𝘤𝘢𝘣𝘪𝘰𝘴𝘢), die ebenfalls als geeignete Futterpflanzen gelten. Beide Pflanzengruppen sind wertvolle Bestandteile naturnaher Schildkrötengehege und wichtige Insektenpflanzen.

Volksheilkunde

Die Acker-Witwenblume wird in der Volksheilkunde aufgrund ihrer Gerb- und Bitterstoffe vor allem bei Hautleiden wie Ekzemen sowie bei Atemwegserkrankungen eingesetzt. Die Anwendung erfolgt dabei traditionell innerlich als Tee gegen Husten oder äußerlich als Absud zur Linderung von Entzündungen und Juckreiz. Da eine medizinische Wirksamkeit bisher nicht wissenschaftlich belegt ist, findet die ungiftige Pflanze heute primär in der Naturheilkunde oder als essbare Zutat in der Wildkräuterküche Verwendung.

Die traditionelle Anwendung von Knautia arvensis als Tee gegen Husten

Fazit

Durch ihre Kombination aus hohem ökologischen Wert, langer Blütezeit, Trockenheitsverträglichkeit und sehr gute Eignung als Futterpflanze stellen Witwenblumen eine besonders empfehlenswerte Bereicherung für naturnahe Gehege Europäischer Landschildkröten dar.

Rund um die Ernährung von Landschildkröten kann man im Artikel Futter und Kalzium nachlesen. Andere beliebte Futterpflanzen findet man im Artikel Futterpflanzen, über deren Anbau kann man sich im Artikel Futterpflanzen Aussaat informieren.