Ernährung und Verhalten der Schildkröten

Die Ernährung und das Verhalten der Schildkröten sind ebenso vielfältig wie ihre Lebensräume. Von rein pflanzenfressenden Landschildkröten bis hin zu spezialisierten Jägern im Wasser reicht das Spektrum dieser außergewöhnlichen Reptilien.

Schildkröten zeigen eine erstaunliche Vielfalt in ihrer Ernährung – von Pflanzenfressern bis zu spezialisierten Jägern im Wasser.


Nahrungsaufnahme ohne Zähne

Frühe Schildkröten besaßen noch Zähne, doch im Laufe der Evolution gingen diese verloren. Heute verfügen alle Schildkröten über einen hornigen Schnabel, mit dem sie ihre Nahrung greifen und zerteilen.

Anstelle eines klassischen Kauvorgangs reißen sie Stücke ab oder verschlingen ihre Nahrung direkt. Dabei können die Vordergliedmaßen unterstützend eingesetzt werden, etwa um Nahrung festzuhalten.


Vielfältige Ernährungsweisen

Viele Schildkröten sind Allesfresser, bei denen je nach Art pflanzliche oder tierische Nahrung überwiegt. Zahlreiche Landschildkröten ernähren sich überwiegend von Kräutern, Blättern und Früchten, sie sind herbivore Nahrungsopportunisten, während viele Wasserschildkröten zusätzlich Insekten, Würmer oder kleine Wirbeltiere fressen.

Bei einigen Arten verändert sich die Ernährung im Laufe des Lebens. Jungtiere nehmen häufig eiweißreiche Nahrung zu sich, während erwachsene Tiere verstärkt pflanzliche Kost aufnehmen.

Eine ausreichende Versorgung mit Mineralstoffen, insbesondere Kalzium, ist entscheidend für den Aufbau des Skeletts und die Gesundheit, und die Bildung stabiler Eierschalen. Gern angenommen wird Kalzium beispielsweise in Form von Sepiaschulp und Algenkalk.


Spezialisierte Jäger und Nahrungsexperten

Einige Schildkröten haben sich stark auf bestimmte Nahrungsquellen spezialisiert. Die Lederschildkröte Dermochelys coriacea ernährt sich nahezu ausschließlich von Quallen.

Die Macrochelys temminckii nutzt einen wurmförmigen Fortsatz auf der Zunge als Köder, um Fische anzulocken. Die Chelus fimbriata wiederum lauert gut getarnt im Wasser und saugt ihre Beute blitzartig ein.

Diese unterschiedlichen Strategien zeigen, wie stark sich Schildkröten an ihre jeweiligen Lebensräume angepasst haben.


Verhalten und Aktivität

Das Verhalten von Schildkröten ist stark von Temperatur und Umweltbedingungen abhängig. Als wechselwarme Tiere regulieren sie ihre Körpertemperatur durch Sonnenbaden oder das Aufsuchen schattiger Bereiche.

Viele Arten zeigen ausgeprägte Tages- oder jahreszeitliche Aktivitätsmuster. In gemäßigten Klimazonen halten einige Schildkröten Winterstarre oder eine verminderte Aktivitätsphase, während tropische Arten oft stärker an Regenzeiten gebunden sind. Schildkröten aus ariden Regionen halten häufig eine Ästivation, also Trockenruhe.


Orientierung und Gedächtnis

Schildkröten verfügen über ein gutes räumliches Gedächtnis. Sie können sich Futterquellen, Sonnenplätze und Wanderwege über lange Zeiträume hinweg merken.

Studien zeigen:

Schildkröten verfügen über eine bemerkenswerte kognitive Leistungsfähigkeit, die weit über bisherige wissenschaftliche Annahmen hinausgeht. Insbesondere im Bereich des Langzeitgedächtnisses und der Lernfähigkeit zeigen sie Leistungen, die teilweise mit denen von Säugetieren vergleichbar sind (Psychology Today 2019). Studien an Riesenschildkröten belegen, dass diese Tiere durch „operante Konditionierung“ komplexe Aufgaben lösen können – etwa die Identifikation spezifischer farbiger Objekte gegen Belohnung (science.ORF.at 2019). Besonders beeindruckend ist die Dauer der Informationsspeicherung: Einmal erlernte Zusammenhänge können Schildkröten auch nach einer Unterbrechung von fast einem Jahrzehnt zuverlässig abrufen (Schildkröte Amanda 2019). Auch in der freien Natur spielt das Gedächtnis eine überlebenswichtige Rolle, etwa bei Meeresschildkröten, die dank ihres Orientierungssinns und ortsbezogenen Erinnerungsvermögens nach über 20 Jahren punktgenau an ihre Geburtsstrände zurückkehren (GEO o.D.).

Quellenverzeichnis

Internetquellen

GEO, ‚Tierische Erinnerung der Meeresschildkröten‘, GEO, o.D., geo.de https://www.geo.de/natur/tierwelt/tierische-erinnerung [Zugriff 11. Mai 2026].

ORF, ‚Verblüffende Gedächtnisleistung‘, science.ORF.at, 2019, orf.at https://science.orf.at/v2/stories/2995278/ [Zugriff 11. Mai 2026].

Psychology Today, ‚Giant Turtles Have Surprisingly Strong Memories‘, Psychology Today, 2019, psychologytoday.com https://www.psychologytoday.com/us/blog/animal-minds/201912/giant-turtles-have-surprisingly-strong-memories, [Zugriff 11. Mai 2026].

Schildkröte Amanda, ‚Studie: Schildkröten können lernen und haben ein langes Gedächtnis‘, Schildkröte Amanda, 2019, schildkroete-amanda.de https://www.schildkroete-amanda.de/2019/12/06/studie-schildkroeten-lernen-gedaechtnis/, [Zugriff 11. Mai 2026].


Anpassung als Schlüssel zum Erfolg

Die Kombination aus flexibler Ernährungsweise und angepasstem Verhalten hat entscheidend dazu beigetragen, dass Schildkröten seit Millionen von Jahren erfolgreich existieren.

Ob als Pflanzenfresser in trockenen Regionen oder als spezialisierte Jäger im Wasser – ihre Fähigkeit zur Anpassung macht sie zu einer der vielseitigsten Reptiliengruppen der Erde.


Weiterführende Themen rund um Schildkröten von A-Z: Schildkröten – Alles über Evolution, Anatomie und Schutz

Grundlagen im Artikel „Schildkröten – Evolution und Vielfalt“
Anatomie im Artikel Der Körperbau der Schildkröten“
Gefährdung im Artikel Taxonomie und Bedrohung“
Fortpflanzung im Artikel „Fortpflanzung
Artenschutz-Instrumente im Artikel „Die Wächter der Vielfalt
Bemerkenswertes im Artikel „Besondere Fakten