Kulturelle Schildkröten-Exkursion 8

Auf den Spuren der Schildkröten mit Elke Wallrapp

Diesmal geht es in den Südosten von Berlin, nämlich in den Stadtteil Köpenick – berühmt geworden
durch „den Hauptmann von Köpenick“!

Und genau hier gibt es wieder eine Schildkröte zu entdecken. Ganz so berühmt ist sie leider nicht.
Köpenick liegt am Zusammenfluss der Spree und Dahme. Noch in der Dahme befindet sich die
Schlossinsel mit dem Köpenicker Schloss, das heute einen Teil des Kunstgewerbemuseums beherbergt.
Der dazugehörige Park wird von einigen Skulpturen geschmückt und dort finden wir auch eine
Bronzeskulptur von Walter Lerche (1881-1951).

Die Bronzeskulptur im Park des Schloss Köpenick. Eingebettet in die Umgebung wird sie leicht übersehen.


Dargestellt sind zwei Kinder (ein Junge und ein Mädchen), die sich zu einer Landschildkröte
(Riesenschildkröte?????) herunterbeugen. Oder spielen sie mit Ihr…?

Die Skulptur befindet sich im Besitz des Bezirksamtes Köpenick, datiert ist sie mit der Jahreszahl 1972.
Leider konnte ich, trotz einer Anfrage im dortigen Bezirksamt, nicht herausfinden, ob die Figur zu
diesem Zeitpunkt erworben, aufgestellt oder nach dem Tod des Bildhauers gegossen wurde. Somit kann
ich auch kein Entstehungsjahr benennen.

Erwähnenswert ist eventuell noch die Tatsache, dass im gesamten Stadtgebiet von Berlin weitere
Bronzeskulpturen von Walter Lerche zu finden sind. Alle seine Skulpturen sind sehr detailgetreu und
lebensnah dargestellt.

Alle Rechte an Text und Fotos: Elke Wallrapp, 2014

Detail des Schildkrötenkörpers mit deutlich ausgearbeitetem, hochgewölbtem Panzer, der an Riesenschildkröten erinnert.

Einordnung

Köpenick gehört zu den stilleren, zugleich aber landschaftlich markantesten Bereichen Berlins. Wasser bestimmt hier nicht nur das Bild, sondern auch die Wahrnehmung des Ortes. Der Zusammenfluss von Spree und Dahme schafft eine Atmosphäre, die sich deutlich vom innerstädtischen Raum unterscheidet.

Nahaufnahme der Interaktion zwischen den Figuren. Die Schildkröte wirkt nicht als Objekt, sondern als eigenständiges Gegenüber.

Mitten in dieser Umgebung liegt das Schloss Köpenick. Als barockes Wasserschloss verbindet es Architektur, Geschichte und Sammlungstradition. Heute ist hier ein Teil des Kunstgewerbemuseum Berlin untergebracht. Der umliegende Park wirkt dabei nicht wie eine reine Grünanlage, sondern eher wie ein ruhiger Ausstellungsraum unter freiem Himmel.

Detailansicht der Bronzeskulptur von Walter Lerche. Zwei Kinder wenden sich einer Landschildkröte zu und schaffen eine ruhige, beobachtende Szene.


Historischer Kontext

Die überregionale Bekanntheit Köpenicks geht auf ein Ereignis zurück, das fast schon literarisch wirkt. Die sogenannte Köpenickiade machte den Ort weit über Berlin hinaus bekannt. Wilhelm Voigt nutzte 1906 die Autorität einer Uniform, um das Rathaus kurzfristig unter seine Kontrolle zu bringen.

Durch das Theaterstück Der Hauptmann von Köpenick wurde dieses Ereignis später zu einem festen Bestandteil deutscher Kulturgeschichte.

Gesamtansicht der Figurengruppe im Kontext der Parkanlage. Kunst und Landschaft treten hier in eine ruhige Verbindung.


Walter Lerche und seine Arbeiten

Der Bildhauer Walter Lerche arbeitete in einer Formensprache, die sich bewusst an der sichtbaren Wirklichkeit orientiert. Seine Figuren wirken nicht inszeniert, sondern beobachtet.

Auffällig ist die ruhige Beziehung zwischen Mensch und Tier. Es sind keine dramatischen Momente, sondern stille Begegnungen. Genau darin liegt die Wirkung seiner Arbeiten.

Die Skulptur im öffentlichen Raum von Köpenick. Eine unscheinbare, aber bemerkenswerte Darstellung einer Begegnung mit einer Schildkröte.


Zur dargestellten Schildkröte

Die Schildkröte der Skulptur entzieht sich einer eindeutigen Bestimmung. Ihre Form erinnert jedoch klar an Riesenschildkröten.

Ein hochgewölbter, massiver Panzer und kompakte Gliedmaßen prägen das Erscheinungsbild. Solche Darstellungen orientieren sich häufig an bekannten Formen wie denen der Galápagos-Riesenschildkröten oder der Aldabra-Riesenschildkröte (Aldabrachelys gigantea), ohne diese exakt abzubilden.

Im Zusammenspiel mit den beiden Kindern entsteht kein Spiel im eigentlichen Sinn, sondern eher ein Moment des Innehaltens. Die Schildkröte wirkt dabei nicht als Objekt, sondern als Gegenüber. Gerade diese stille Präsenz macht die Szene bemerkenswert.

Blick auf die fein modellierten Figuren. Die zurückhaltende Gestik unterstreicht den ruhigen Charakter der Darstellung.


Quellen

Schloss Köpenick. Staatliche Museen zu Berlin, Schloss Köpenick.
https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/schloss-koepenick/home/ (zugegriffen am 1. Mai 2026).

Kunstgewerbemuseum Berlin. Staatliche Museen zu Berlin, Kunstgewerbemuseum.
https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/kunstgewerbemuseum/home/ (zugegriffen am 1. Mai 2026).

Staatliche Museen zu Berlin. Staatliche Museen zu Berlin.
https://www.smb.museum/ (zugegriffen am 1. Mai 2026).

Wilhelm Voigt. Deutsches Historisches Museum, LeMO Biografie.
https://www.dhm.de/lemo/biografie/wilhelm-voigt (zugegriffen am 1. Mai 2026).

Köpenickiade. Deutsches Historisches Museum, LeMO Themenportal.
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/kaiserreich/alltagsleben/koepenickiade.html (zugegriffen am 1. Mai 2026).

Der Hauptmann von Köpenick. Carl Zuckmayer, Der Hauptmann von Köpenick.
https://www.dtv.de/buch/carl-zuckmayer-der-hauptmann-von-koepenick-1247 (zugegriffen am 1. Mai 2026).

Walter Lerche. Deutsche Biographie.
https://www.deutsche-biographie.de/ (zugegriffen am 1. Mai 2026).

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin, Kunst im Stadtraum.
https://www.stadtentwicklung.berlin.de/kunst-im-stadtraum/ (zugegriffen am 1. Mai 2026).

Aldabra-Riesenschildkröte. IUCN Red List of Threatened Species.
https://www.iucnredlist.org/species/9017/12949992 (zugegriffen am 1. Mai 2026).

Galápagos-Riesenschildkröten. Encyclopaedia Britannica.
https://www.britannica.com/animal/Galapagos-tortoise (zugegriffen am 1. Mai 2026).