Ein mediterranes Gehege für Europäische Landschildkröten
Ein Freigehege für Europäische Landschildkröten bietet natürliche UV-Versorgung, Futterpflanzen, Bewegungsmöglichkeit und ein warmes Mikroklima durch Kalkschotter.
Es ist die unerlässliche Ergänzung des Frühbeetes mit Technik und bietet den Schildkröten zusätzliche Temperaturgradienten und damit die ideale Möglichkeit zur Thermoregulation. Die Thermoregulation ist für Schildkröten als wechselwarme Tiere (Reptilien) essentiell, da sie auf externe Wärmequellen angewiesen sind, um ihre Körpertemperatur zu regulieren. Im Gegensatz zu Säugetieren können sie ihre Körpertemperatur nämlich nicht selbst erzeugen.
Dadurch, dass die Schildkröten ihren Aufenthaltsort tagsüber frei wählen können, entsteht zudem eine große Bewegungsfreiheit und die Möglichkeit zur Selbstversorgung mit Futterpflanzen. Das Frühbeet mit Technik und das Freigehege gehören in der artgerechten Haltung Europäischer Landschildkröten untrennbar zusammen.

Um unsere Landschildkröten wirklich artgerecht pflegen zu können, sollte das Freigehege über Sonnenplätze aus Kalkschotter verfügen und genügend Verstecke in Form von Höhlen, Versteck- und Futterpflanzen aufweisen.
Schatten- und Sonnenplätze sollten sich abwechseln, und Sichtachsen sollten durch Hügel, Wurzeln, Baumstämme, Verstecke und Pflanzen durchbrochen werden. Dies sorgt bei Gruppenhaltung für ein deutlich vermindertes Stressniveau.

Jungtiergehege
In Jungtiergehegen, sollte ein dichter Pflanzenbewuchs gegeben sein, damit die schreckhaften Jungtiere schnell das schützende Dickicht aufsuchen können. In diesem Fall heißt das, dass man niedrige, Deckung bietende Pflanzen, zum Beispiel kriechenden Rosmarin, nahe des Ausgangs des Frühbeets platziert, damit die Jungtiere sich überhaupt aus dem Frühbeet heraustrauen. Europäische Landschildkröten leben in der Natur in den ersten Lebensjahren überwiegend vor Fressfeinden versteckt im dichten Pflanzenfilz und Gestrüpp.
Eine Möglichkeit für neuangelegte, noch recht kahle Gehege ist es, Versteckpflanzen wie Salbei oder Lavendel in Dreiergruppen zu pflanzen, damit schnell Deckung entsteht. Darüber hinaus kann man vor dem Frühbeetausgang Schnitt von als Futter geeigneten Bäumen auslegen, wie zum Beispiel von Maulbeere, Weide oder Obstbäumen. Darunter können die Jungtiere aus dem Frühbeet ins Gehege kommen, ohne Angst, sich über offene Flächen bewegen zu müssen. Außerdem sollten Jungtiergehege rundum durch Draht oder Gitter gegen das Eindringen von Fressfeinden gesichert werden.

Kalkschotter sorgt im Freigehege für schnellabtrocknende Flächen und ein angenehmes, warmes Mikroklima. Empfehlenswert ist, bei der Anlage des Freigeheges die Grasnarbe abzutragen und 30 Zentimeter hoch Kalkschotter einzubringen. Dies garantiert eine ideale Drainage und habitatsnahe Böden. Gesunde Futterpflanzen gedeihen ideal auf der Kalkschotterschicht, und Gräser lassen sich leicht herausziehen, bevor sie überhand nehmen. Hinzu kommt, dass die Futterpflanzen so bereits ideal mit Kalzium angereichert sind.
Europäische Landschildkröten sind Weidegänger, daher benötigen sie idealerweise ein Selbstversorgergehege mit vielen verschiedenen Futterpflanzen.

Welche Pflanzen verleihen meinem Gehege mehr Struktur?
Zusätzlich zu Futterpflanzen sollten weitere Gewächse im Gehege vorhanden sein, um die „Schildkrötenoase“ zu optimieren. Die richtige Struktur im Außengehege ist essenziell für Schildkröten, sie schätzen es nicht, auf einer offenen Fläche ungeschützt zu leben. Schildkröten bevorzugen es, wenn sie sich verstecken und zurückziehen können. Es ist sehr wichtig, dass sie bei einer Gruppenhaltung die Möglichkeit haben, sich aus den Augen zu gehen. Sichtachsen sollten daher durch Barrieren, wie höhere Versteckpflanzen, Baumstämme und Hügel unterbrochen werden.
Hier findet man eine Auswahl an Pflanzen, die sich hervorragend als Strukturgeber, Verstecke und Schattenspender eignen. Alle aufgeführten Pflanzen sind entweder fressbar oder verträglich für Landschildkröten: Maulbeere, Rosmarin, Lavendel, Thymian, Oregano, Salbei, Currykraut, Zwerg-Seidenkiefer, Weide, Fingerstrauch, Hibiskus, Königskerze, Malve, Hundsrose, Nachtkerze, Weigelie, Wollziest, Lungenkraut, Flockenblume, Margerite … es gibt zahlreiche geeignete, ungiftige Gehegepflanzen.

Quarantäne für Pflanzen
Sind die Pflanzen nicht zum direkten „Verzehr“ geeignet, wie zum Beispiel Küchenkräuter aus dem Supermarkt, oder spezielle Futterpflanzen, wie Golliwoog, so sollte man sie einige Monate in Quarantäne stellen, bevor man sie ins Gehege pflanzt, damit alle darauf befindlichen Pflanzenschutzmittel etc. den Schildkröten nicht mehr schaden können.
Wasser ist wichtig für Landschildkröten
Eine flache Trink- und Bademöglichkeit sollte im Freigehege vorhanden sein. Diese sollte maximal so tief sein, dass das kleinste Tier bequem seinen Kopf zum Atmen herausstrecken kann, also zirka bis zum Halsansatz.


Wie groß sollte das Schildkrötengehege sein?
Pro adultem Tier sollte man mindestens 10 bis 20 Quadratmeter Freigehege-Fläche einplanen, wobei größer immer auch besser ist. Männliche Schildkröten sind oft wesentlich aktiver als weibliche, aber auch hier gibt es natürlich Unterschiede von Tier zu Tier. Es ist sehr wichtig, dass man zur Not Platz für eine Erweiterung hat, falls beispielsweise Tiere aus der Gruppe wegen aggressiven Verhaltens abgetrennt werden müssen. Ebenso kann es gut sein, dass männliche Tiere dauerhaft abgetrennt werden müssen, weil sie die Weibchen zu sehr belästigen.

Wie sollte die Gehegeeinfriedung beschaffen sein?
Die Einfriedung sollte mindestens 50-60 cm hoch sein und aus glattem, blickdichtem Material bestehen. Sehr gut geeignet sind WPC Dielen ohne Struktur und opaque Hohlkammerplatten. Diese gibt es auch als lange Elemente mit Nut und Feder System, sodass sie optimal aufeinandergesteckt werden können.
Die Einfriedung sollte außerdem möglichst 15-20 cm ins Erdreich ragen, um Ausbruchsmöglichkeiten beim Graben der Tiere oder einem „Arbeiten“ der Einfriedung auszuschließen.
Hier erfährt man mehr über die sichere Gehege-Einfriedung:
Schutz vor Fressfeinden
Idealerweise sichert man das Gehege nach oben gegen Fressfeinde mittels einer Voliere oder zumindest mit einem straff gespannten, gut befestigten Netz. Gegen Ratten helfen nur rundum gesicherte Gehege, aus speziellem rattensicherem Volierendraht, dessen Maschenbreite keinesfalls größer als 0,8 cm sein darf. Ein Volierengehege ist die sicherste Art der Unterbringung für unsere Schildkröten.
Besonderer Schutz für Steppenschildkröten, die Ausbrecherkönige unter den Landschildkröten
Bei Steppenschildkröten, Testudo horsfieldii, auch „Russische Landschildkröten“ genannt, sollte man die ausgezeichneten Grabfähigkeiten der Schützlinge beachten und möglichst tief mit der Einfriedung gehen. Manche Halter sichern auch nach unten ab, indem sie Gitter legen. In diesem Fall sollte stets mit grobem Schotter darauf abgesichert werden, dass kein Tier beim Graben und „Tunnelbau“ darin hängenbleiben kann.
Es sind von Steppenschildkröten bis zu 15 m lange Tunnel bekannt, daher sollte man die Grabfähigkeiten von Testudo horsfieldii niemals unterschätzen. Im Habitat sichert diese besondere Eigenschaft das Überleben in einer meist lebensfeindlichen Umgebung mit glühender Hitze im Sommer und Eiseskälte im Winter.
Ein mediterranes Schildkrötengehege
Da Bilder oft mehr sagen als Worte, hier als Anregung das sehr gelungene, artgerechte Gehege im mediterranen Stil für die Testudo Haltung von Sabine Deubzer aus der Oberpfalz.












Hier leben 5 Schildkröten Nachzuchten 2008- 2012.
Das Gehege wurde im ersten Corona-Lockdown komplett von 15 auf ca 45 m2 neu errichtet. Kalkschotter in verschiedenen Stärken wurde direkt aus dem Kalkwerk geholt.
Die Umrandung ist aus WPC-Terrassendielen, diese wurden mit U-Schienen an Mauersteinen befestigt. Es kann also jederzeit verändert, abgetrennt und erweitert werden.
Zusätzlich wurde eine Begrenzung zur Gehegeverkleinerung eingebaut, die im Frühjahr oder Herbst eingesetzt werden kann. Die ausbruchsichere, glatte Umrandung ist 56 cm hoch.


















Volierengehege zum Schutz vor Ausbruch und Fressfeinden





Das Übergangsgehege
Bekommt man das Frühbeet nicht warm genug, gibt es technische Probleme oder ein Fressfeinde-Problem, muss man die Schildkröten bis zur Behebung der Probleme in einem Notgehege warm und geschützt unterbringen, damit sie sich nicht erkälten und keinen unnötigen Gefahren ausgesetzt sind. Erkrankte Tiere müssen gelegentlich umziehen, um ihre Heilung bei hohen Grundtemperaturen von 25 bis 30 Grad zu beschleunigen und ihre Pflege zu vereinfachen. Hierfür kommt ein möglichst großes Übergangsgehege von ca. 2 m2 zum Einsatz, das wie ein Gehege mit Erde, einem Sonnenplatz, Heizung, Verstecken und Pflanzen ausgestattet sein sollte. Bei längerer Aufenthaltsdauer sollte eine UV-B Lampe angeboten werden. Selbstverständlich sollten die Tiere so schnell wie möglich wieder in ihr beheiztes Frühbeet und Freigehege ziehen. Terrarien sind auch als zeitweilige Unterkunft in der Regel nicht geeignet wegen der geringen Größe und der Gefahr des Hitzestaus. Früher wurde oft empfohlen, die Schildkröten nach der Winterstarre zunächst im Übergangsgehege zu halten, was darauf beruhte, dass meist keine Technik in Frühbeet oder Gewächshaus vorhanden war. Heutzutage wird von Experten die sogenannte Kalthaltung abgelehnt und es wird Warmhaltung mit Sonnenplatz und Heizung im Frühbeet praktiziert, weshalb ein solches Gehege in der Regel in der modernen artgerechten Haltung unnötig ist.


das aufgrund seiner schlechten Blutwerte nicht starren durfte. Bemerkenswert die gute Grundbeleuchtung durch spezielle Reptilien-LEDs zusätzlich zu den UV-Spots. Dies sorgt für eine gute Aktivität trotz Ausfall der Starre.