Pflanzenporträt: Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis)
Kategorie: Sicheres Hauptfutter, sollte jedoch wie alle Futterpflanzen gemeinsam mit anderen wertvollen Futterpflanzen gemischt werden.

Der Wiesen-Bocksbart gehört zur Familie der Korbblütler (Zichoriengewächse) und ist eng mit dem Löwenzahn verwandt. Er liefert eine der besten Faserstrukturen für die Sommerfütterung und wird von Landschildkröten instinktiv gerne gefressen.
Erkennungsmerkmale
- Die Blätter: Sie sehen auf den ersten Blick aus wie dickere Grashalme. Sie sind lang, schmal, spitz zulaufend, ganzrandig und rinnenförmig am Stängel angeordnet.
- Die Blüte: Leuchtend gelbe, große Korbblüten (ca. 3–5 cm breit). Die Besonderheit (Blüten-Uhr): Sie öffnen sich im Mai/Juni morgens gegen 7 Uhr und schließen sich pünktlich zur Mittagshitze gegen 12–13 Uhr wieder.
- Der Fruchtstand: Nach der Blüte entsteht eine Riesen-Pusteblume, die fast so groß wie ein Tennisball wird. Die Samen hängen an großen, federartigen Fallschirmchen.
- Der Saft: Beim Abknicken der Pflanze tritt sofort ein dicker, rein weißer Milchsaft aus.
Futterwert & Gesundheit
- Rohfaser: Extrem hoch. Die grasartigen Blätter sind sehr zäh und stabil. Das zwingt die Schildkröten zum kräftigen Abreißen (hervorragend für den Hornscheiden-Abrieb am Schnabel) und sichert eine langsame, gesunde Darmpassage.
- Inhaltsstoffe: Diese Pflanze ist oxalsäurearm. Der Milchsaft enthält wertvolle Sekundäre Pflanzenstoffe, zum Beispiel Bitterstoffe (u. a. Inulin), welche die Leber- und Gallenfunktion und eine gesunde Darmflora der Schildkröte unterstützen können.
- Fütterung: Alle Pflanzenteile (Blätter, Knospen, Blüten) dürfen verfüttert werden, die Knospen und Blüten aufgrund des natürlichen Zuckergehalts allerdings sparsam. Wie stets bei Blütenfütterung sollten die Blütenblätter bereits lose sitzen und beinahe verblüht sein, dann nimmt der Zuckergehalt bereits ab und die Pflanzen haben als Insektenweide ausgedient.
Aussaathinweise & Botanik
Der Wiesen-Bocksbart ist eine zweijährige bis mehrjährige, absolut winterharte Wildpflanze. Er bildet im ersten Jahr eine tiefe Pfahlwurzel und eine Blattrosette, im zweiten Jahr folgt der Blütenstängel.
- Keimtyp: Lichtkeimer & Kaltkeimer
- Aussaat Freiland (Empfohlen): September bis November. Die Samen benötigen den winterlichen Kältereiz (Frost), um im nächsten Frühjahr die Keimhemmung zu brechen.
- Aussaat Vorkultur: Januar bis Februar. Hierfür müssen die Samen feucht in Sand gemischt für ca. 4–6 Wochen im Kühlschrank (künstliche Stratifikation) gelagert werden.
- Anbautechnik: Die Samen dürfen nicht mit Erde bedeckt, sondern nur auf die lockere Erde aufgestreut und leicht angedrückt (angewalzt) werden.
- Boden/Standort: Liebt vollsonnige Plätze. Gedeiht am besten auf mageren, nährstoffarmen und eher trockenen Böden, also ideal auf Kalkschotter im Gehege. Je karger der Boden, desto härter und wertvoller wird die rohfaserreiche Struktur der Pflanze.
- Schutz im ersten Jahr: Wenn Sie den Bocksbart direkt im Gehege aussäen, sperren Sie den Bereich ab. Die jungen Keimlinge und Rosetten werden sonst sofort mitsamt der Wurzel gefressen und die Pflanze geht ein.

Samenernte
- Samenernte leicht gemacht: Sobald sich im Sommer die Riesen-Pusteblumen öffnen, pflücken Sie die gesamten Köpfe an einem windstillen Tag ab. Ziehen Sie die Samen von den Schirmchen ab und lagern Sie sie trocken in einer Papiertüte bis zur Aussaat im Herbst.