Blühende Versteckpflanzen für das Schildkrötengehege

Ein naturnahes Schildkrötengehege braucht neben offenen Sonnenplätzen und geeigneten Futterpflanzen auch bewachsene Rückzugsbereiche. Versteckpflanzen bieten Deckung, unterbrechen Sichtachsen und schaffen Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung. Unter ausreichend großen Pflanzen können sich zudem beschattete, bodennah kühlere Bereiche entwickeln.

Viele geeignete Versteckpflanzen blühen außerdem reich und bieten Hummeln, Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Insekten Nahrung. So verbindet eine durchdachte Bepflanzung die Bedürfnisse der Schildkröten mit einem zusätzlichen Beitrag zur Biodiversität.

Warum Versteckpflanzen wichtig sind

Europäische Landschildkröten halten sich nicht den ganzen Tag auf offenen, voll besonnten Flächen auf. Je nach Temperatur, Tageszeit und Witterung wechseln sie zwischen Sonnenplätzen, Halbschatten und dichter bewachsenen Rückzugsorten.

Besonders an heißen Tagen suchen sie Schutz unter Pflanzen. Dort sind sie der direkten Sonneneinstrahlung weniger stark ausgesetzt und finden zugleich Deckung. In Gehegen mit mehreren Tieren helfen unterbrochene Sichtachsen außerdem dabei, Begegnungen zu vermeiden und einander auszuweichen.

Ein gutes Versteck muss nicht vollständig dunkel sein. Besonders wertvoll sind locker wachsende Pflanzen, unter deren Zweigen verschiedene Licht- und Temperaturbereiche entstehen. Die Schildkröten können dann selbst entscheiden, ob sie sich in die volle Sonne, in den lichten Halbschatten oder weiter unter die Pflanze zurückziehen.

Lavendel: bewährte Versteckpflanze mit Blütenwert

Der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia) passt besonders gut in sonnige, warme und gut drainierte Gehegebereiche. Mit zunehmender Größe entstehen unter seinen Zweigen geschützte Plätze, die von Schildkröten gern als Rückzugsort genutzt werden.

Seine Blüten werden intensiv von Hummeln, Wildbienen und Schmetterlingen besucht. Lavendel verbindet damit Deckung und leichte Beschattung mit einem wertvollen Blütenangebot.

Nicht jede als Lavendel angebotene Art ist jedoch gleichermaßen winterhart. Für die dauerhafte Bepflanzung des Freigeheges ist der Echte Lavendel meist besser geeignet als frostempfindlichere Arten wie der Schopflavendel. Entscheidend ist ein durchlässiger Standort, an dem sich besonders im Winter keine Nässe staut.

Mehr zur Pflanzung, Pflege und Nutzung im Gehege gibt es im Beitrag Lavendel als Versteckpflanze.

Lavendel ist ein echter Insektenmagnet im Landschildkröten Gehege.

Rosmarin: ideal für Frühbeet und Freigehege

Rosmarin (Salvia rosmarinus, früher Rosmarinus officinalis) entwickelt mit der Zeit einen verholzten, locker verzweigten Wuchs. Unter kräftigen Pflanzen entstehen gut zugängliche Rückzugsplätze. Besonders im Frühbeet kann Rosmarin wertvolle Deckung bieten, ohne ein feuchtes und dicht abgeschlossenes Versteck zu bilden.

Je nach Sorte, Standort und Witterung blüht Rosmarin bereits früh im Jahr. Seine Blüten werden von Bienen und anderen bestäubenden Insekten besucht und ergänzen das Nahrungsangebot zu einer Zeit, in der im Garten oft noch vergleichsweise wenig blüht.

Rosmarin wird hier vor allem als Versteck- und Blühpflanze eingesetzt. Aufgrund seines intensiven Aromas wird er von Schildkröten üblicherweise nicht als Futterpflanze genutzt.

In Regionen mit stärkeren Frösten ist nicht jede Sorte zuverlässig winterhart. Ein geschützter Standort und ein sehr gut drainierter Boden sind besonders wichtig. Im Frühbeet kann Rosmarin von dem wärmeren und trockeneren Mikroklima profitieren.

Ausführliche Informationen finden sich im Beitrag Rosmarin – eine ideale Versteckpflanze im Frühbeet.

Rosmarin ist besonders trockenheitsresistent und wächst auch im Frühbeet. Seine kleinen blauen Blüten locken viele Insekten an.

Echter Salbei und Wiesensalbei

Nicht alle Salbeiarten erfüllen im Schildkrötengehege dieselbe Funktion.

Der Echte Salbei (Salvia officinalis) entwickelt einen halbstrauchartigen, zunehmend verholzenden Wuchs. Kräftige Exemplare können bodennah Schatten und Deckung bieten. Die Pflanze ist gut an sonnige, warme und eher trockene Standorte angepasst.

Wiesensalbei (Salvia pratensis) bleibt dagegen eine krautige Staude. Er bildet kein vergleichbar stabiles Versteck, trägt aber zur räumlichen Gliederung des Geheges bei und ist wegen seiner Blüten besonders wertvoll. Vor allem Hummeln besuchen den Wiesensalbei regelmäßig.

Beide Arten werden hier in erster Linie als Blüh- beziehungsweise Versteckpflanzen betrachtet. Wegen ihrer aromatischen Inhaltsstoffe ist eine gezielte Verfütterung nicht vorgesehen.

Unter der Bezeichnung „Salbei“ werden zahlreiche Arten und Züchtungen angeboten. Für einen frei zugänglichen Gehegebereich sollte deshalb die botanische Art eindeutig feststehen.

Mehr über den halbstrauchartig wachsenden Echten Salbei steht im Beitrag Echter Salbei als Versteckpflanze.

Echter Salbei wächst gern an trockenen Standorten, sein Nektar lockt außer Bienen und Hummeln auch Schwalbenschwänzchen an.

Dost: Blütenfülle und leichte Deckung

Dost (Origanum vulgare), auch Wilder Majoran genannt, ist eine besonders wertvolle Blütenpflanze für Hummeln, Wildbienen und Schmetterlinge. Während der Blüte herrscht an größeren Beständen oft reger Insektenbetrieb.

Die lockeren, krautigen Triebe können bodennah etwas Schatten und leichte Deckung schaffen. Als dauerhaftes Versteck für größere Landschildkröten ersetzt Dost jedoch keine kräftigere, locker verzweigte Pflanze.

An geeigneten Standorten kann er sich gut ausbreiten. Das ist in einem naturnahen Gehege grundsätzlich erwünscht, sollte aber beobachtet werden, damit schwächer wachsende Pflanzen nicht vollständig verdrängt werden.

Oregano ist nicht nur in beliebtes Gewürz, sondern auch eine wüchsige Versteckpflanze mit Mehrwert für Bestäuber.

Thymian: blühender Bodendecker

Thymian bleibt deutlich niedriger als Lavendel, Rosmarin oder Echter Salbei. Je nach Art bildet er dichte, bodennahe Polster. Für größere Schildkröten ist er daher kein eigentliches Versteck.

Zwischen offenen Flächen und höheren Pflanzen kann Thymian jedoch den Boden bedecken, kleine beschattete Bereiche schaffen und das Gehege abwechslungsreicher gliedern. Seine zahlreichen kleinen Blüten werden von Bienen und anderen Bestäubern besucht.

Thymian gedeiht besonders gut an sonnigen, warmen und gut drainierten Standorten. Auch er wird in diesem Zusammenhang als Bodendecker und Blühpflanze betrachtet, nicht als gezielt anzubietendes Futter.

Thymian ist eine beliebte, bodendeckende mediterrane Versteckpflanze für Europäische landschildkröten.

Sicher pflanzen und Ausbruchswege vermeiden

Landschildkröten sind überraschend geschickte Kletterer. Größere Pflanzen dürfen deshalb nicht unmittelbar an der Gehegebegrenzung stehen. Feste Zweige, schräg wachsende Triebe und dichte Pflanzenkörper können sonst als Kletterhilfe dienen.

Auch im Inneren des Geheges muss die Bepflanzung aus Schildkrötenperspektive betrachtet werden. Enge Spalten zwischen Pflanzen, Steinen oder Mauern können zu Fallen werden. Rückzugsplätze sollten möglichst mehrere gut zugängliche Ein- und Ausgänge besitzen und groß genug sein, damit die Tiere darin wenden können.

Das Gehege darf dicht und natürlich bepflanzt wirken, muss aber sicher durchquerbar und kontrollierbar bleiben.

Junge und gekaufte Pflanzen schützen

Neu gesetzte Pflanzen werden durch die Schildkröten häufig sofort planiert, untersucht oder angeknabbert. Gerade kleinere Exemplare haben dadurch kaum Gelegenheit, kräftige Verstecke zu bilden. Eine vorübergehende Abgrenzung kann ihnen helfen, sich zunächst zu etablieren. Sinnvoll ist, die Pflanzen in Dreiergruppen zu pflanzen, damit direkt ein Versteck entsteht.

Auch die Herkunft der Pflanzen ist wichtig. Gewächse aus Gartencentern oder Baumärkten können mit Düngern, Pflanzenschutzmitteln oder Wachstumsregulatoren behandelt worden sein. Sie sollten nicht unmittelbar nach dem Kauf für Schildkröten zugänglich gemacht werden.

Besser sind Pflanzen aus eigener Anzucht oder aus nachvollziehbar unbehandelter Bio-Kultur. Bei unbekannter Vorgeschichte sollten sie zunächst außerhalb des Geheges weiterkultiviert werden, bis ausreichend neue, unbehandelte Pflanzenteile nachgewachsen sind.

Mediterrane Kräuter können leicht vermehrt werden.

Nicht jede Insektenpflanze gehört ins Gehege

Eine Pflanze sollte niemals allein deshalb in das Schildkrötengehege gesetzt werden, weil sie als bienen- oder schmetterlingsfreundlich gilt. Entscheidend ist, ob die Art sicher bestimmt und fürs Gehege geeignet ist.

Insektenfreundliche Pflanzen mit problematischen Inhaltsstoffen oder ungeklärter Eignung können außerhalb der Einfriedung wachsen. Dort erweitern sie das Blütenangebot, ohne von den Schildkröten erreicht zu werden. Stark aussamende Arten sollten allerdings lieber vom Gehege ferngehalten werden.

Versteckpflanzen machen das Gehege lebendig

Lavendel, Rosmarin und Echter Salbei können längerfristig stabile Rückzugsplätze schaffen. Dost, Wiesensalbei und Thymian ergänzen diese Bereiche mit Blüten, leichter Deckung oder bodennahen Polstern.

Gemeinsam entstehen fließende Übergänge zwischen offenen Sonnenplätzen und geschützten Bereichen. Die Schildkröten erhalten Wahlmöglichkeiten, Sichtschutz und Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung. Gleichzeitig finden zahlreiche Insekten Nektar und Pollen.

Lavendel ist eine beliebte Insektenweide.

Ein naturnahes Schildkrötengehege braucht nicht nur Futterpflanzen. Es braucht auch Pflanzen, die wachsen, blühen, dem Gehege Struktur geben und dauerhafte Rückzugsräume entstehen lassen.

Auch aus dieser Artikelserie findet man hier einen Informationen über Futterpflanzen, die ebenfalls Insektenweiden sind:

Rund um die Vielfalt im und ums Gehege geht es im Grundlagenartikel aus dieser Serie: