Kulturelle Schildkröten-Exkursion 12

Ein letztes Mal in Berlin, im Zoo-Aquarium

Wir sind ein letztes Mal in Berlin unterwegs!

Natürlich gibt es dort nicht nur Schildkröten aus Stein, Beton und Bronze. Auch echte, lebende Schildkröten können wir dort besichtigen, auch wenn wir auf dem Weg zu diesen wieder auf einige künstlerische Darstellungen treffen.

Wir besuchen erneut das Aquarium, das dem Zoologischen Garten angeschlossen ist.

1913 wurde es eröffnet, 1943 durch den 2. Weltkrieg zerstört und ab 1952 stückweise wieder aufgebaut. In den 80er Jahren wurde es generalsaniert.

Das Aquarium beherbergt auf drei Etagen Fische, Reptilien, Amphibien, wirbellose Tiere und Insekten (insgesamt mehr als 1000 Arten).

Bevor wir hineingehen, können wir an der Außenmauer des Aquariums in der Budapester Straße, in der Nähe des Olof-Palme-Platzes, große Tierbildnisse in einer Ton – Reliefgestaltung bewundern. Dort sind u. a. eine Land-, eine Meeres- und eine Sumpfschildkröte zu sehen.

Landschildkröte im Klinkerrelief an der Außenmauer in der Budapester Straße. 

Diese Darstellungen wurden von dem (uns bereits bekannten) Bildhauer Jochen Ihle angefertigt.

Im Inneren des Aquariums begegnen uns zwei weitere Schildkrötendarstellungen wenn wir, beim Besichtigen der oberen Etagen, die historische Treppe benutzen. Ein Bandrelief mit Tierdarstellungen verziert dort die Wand und wir treffen auf eine Land- und Sumpfschildkröte aus glasierter, bunter Keramik.

Und dann endlich kommen wir auch zu den „echten“ Schildkröten!

In der einmaligen Krokodilhalle können wir viele Borneo-Flussschildkröten bewundern und in dem Gehege mit den Krokodilen entdecken wir auch noch verschiedene Schmuckschildkröten.

Das Aquarium beherbergt außerdem einige Schlangenhalsschildkröten und Köhlerschildkröten.

Doch mein absolutes Highlight war die Terekay-Schienenschildkröte, die wie ein „Shootingstar“ auf einem Stein thronte. Sehen Sie selbst….!

Alle Rechte an Text und Bildern: Elke Wallrapp

Meeresschildkröte im Fassadenrelief – gut an den Flossen zu erkennen.

Ein Aquarium mit bewegter Geschichte

Das Haus, das wir betreten, blickt auf mehr als hundert Jahre zurück. Am 18. August 1913 wurde das Aquarium nach rund zweijähriger Bauzeit eröffnet – dreistöckig, mit Süß- und Seewasserbecken im Erdgeschoss, einem Terrarium in der ersten und einem Insektarium in der zweiten Etage. Nach 1923 entwickelte es sich zum artenreichsten Institut seiner Art weltweit. In der Nacht vom 23. auf den 24. November 1943 zerstörte ein Bombentreffer die große Krokodilhalle und mit ihr fast das gesamte Gebäude. Ab 1952 kehrte das Leben zurück – zunächst in die Becken des Erdgeschosses, Stück für Stück folgte der übrige Wiederaufbau. Die umfassende Sanierung des Altbaus war 1983 abgeschlossen; sie kostete 27,4 Millionen Mark (Aquarium Berlin). Heute zeigt das Haus auf drei Etagen mehr als 1000 Arten und steht gemeinsam mit dem Zoologischen Garten unter Denkmalschutz.

Die Tierbildnisse an der Fassade und im Treppenhaus

Die großen Tierbildnisse an der Budapester Straße, die uns schon vor dem Eingang empfangen, gehören zu einem 30 Meter langen und 6,50 Meter hohen Ziegelband aus gebranntem Klinker. Es zeigt Fische, Reptilien und Amphibien und entstand 1978 nach dem Entwurf des Bildhauers, der auch den historischen Fassadenschmuck des Hauses wiederhergestellt hat (Bildhauerei in Berlin).

 

Sumpfschildkröte im Fassadenrelief des Aquariums. 

Das bunte Bandrelief im Treppenhaus geht auf Modelle des Malers Heinrich Harder von etwa 1912 zurück; die glasierten Majolika-Reliefs und Glasmosaike wurden um 1983 rekonstruiert. So begleiten uns die künstlerischen Schildkröten auf dem ganzen Weg – bis wir endlich vor den lebenden stehen.

Schildkröte aus glasierter, bunter Keramik im historischen Treppenhaus. 

Die Schildkröten des Aquariums im Porträt

Elke nennt die Bewohner beim Namen – ein kurzer Blick lohnt sich, denn hier treffen sehr unterschiedliche Lebensweisen aufeinander.

Borneo-Flussschildkröte (Orlitia borneensis)

Mit einer Panzerlänge von bis zu 80 Zentimetern und rund 20 Kilogramm Gewicht gehört sie zu den größten Süßwasserschildkröten überhaupt. Sie lebt einzelgängerisch in den Flüssen und Seen Malaysias, Borneos und Sumatras und verlässt das Wasser fast nur zur Eiablage. Der Panzer ist dunkel und glatt, die Tiere sind ausdauernde Taucher. In ihrer Heimat ist die Art durch Lebensraumverlust und Wilderei stark bedroht – die IUCN führt sie als vom Aussterben bedroht (IUCN 2020). Umso bemerkenswerter, dass wir sie hier in der Krokodilhalle in aller Ruhe beobachten können.

Terekay-Schienenschildkröte (Podocnemis unifilis)

Ihr Aussehen ist bemerkenswert: Die gelben Flecken auf Kopf und Schläfen sind ihr Erkennungszeichen, der Panzer ist olivgrün bis bräunlich und wird bis zu 45 Zentimeter lang. Sie zählt zu den Halswendern, den Kopf legt sie also seitlich unter den Panzerrand, statt ihn wie die Landschildkröten gerade einzuziehen. Zu Hause ist sie in den Fließgewässern des Amazonas und des Orinoco, wo sie sich überwiegend von Wasserpflanzen und Algen ernährt und nur gelegentlich Schnecken, Insekten oder Fische aufnimmt (Wikipedia). Auch sie steht auf der Roten Liste – als gefährdet.

Weitere Panzerträger im Haus

Dazu kommen die Schmuckschildkröten im Krokodilgehege, die Schlangenhalsschildkröten mit ihrem auffallend langen Hals und die Köhlerschildkröte (Chelonoidis carbonarius) als beeindruckende Landschildkröte in der Runde. Zusammen führen sie vor Augen, auf wie verschiedenen Wegen Schildkröten Wasser und Land erobert haben – ein passender Abschluss für unsere kulturellen Exkursionen in Berlin.

Randnotiz: die Strahlenschildkröte

Eine Art fehlt in Elkes Aufzählung, die mit dem Haus dennoch eng verbunden ist: die Strahlenschildkröte (Astrochelys radiata) aus Madagaskar, eine der prächtigsten Landschildkröten überhaupt und heute vom Aussterben bedroht. Das Aquarium nahm 2022 fünf beschlagnahmte Tiere auf, dazu lebt hier ein 2003 im Tierpark Friedrichsfelde geschlüpftes Exemplar (Tagesspiegel). Zu sehen sind sie derzeit allerdings wohl nicht – ihr Zuhause im Reptilienbereich liegt in der gerade sanierten Etage. Und noch eine kleine Geschichte verbindet die Art mit dem Aquarium: Zum 25. Jahrestag der Wiedereröffnung zierte die Strahlenschildkröte 1977 eine 40-Pfennig-Sonderbriefmarke der Deutschen Bundespost Berlin – damals noch unter dem alten wissenschaftlichen Namen Testudo radiata.

Hinweis: Das Aquarium wird seit 2023 umfassend und in mehreren Bauabschnitten modernisiert. Das Haus bleibt während der Arbeiten grundsätzlich geöffnet, einzelne Etagen oder Becken können jedoch zeitweise geschlossen sein. Wer einen Besuch plant, findet die aktuellen Einschränkungen auf aquarium-berlin.de.


Quellen