Giftpflanzen erkennen, bevor Futter gesammelt wird
Wer Wildkräuter für Landschildkröten sammeln möchte, beginnt am besten nicht sofort mit einer möglichst langen Futterpflanzenliste. Der sicherere Weg führt zunächst über die wichtigsten Giftpflanzen.
Sind typische Risikopflanzen bekannt, können sie beim Sammeln direkt ausgeschlossen werden. Erst danach wird das Wissen über geeignete Futterpflanzen Schritt für Schritt erweitert. Diese Reihenfolge erhöht das Sicherheitsniveau erheblich: Ungeeignete oder gefährliche Pflanzen werden schneller erkannt, während die Zahl der sicher bestimmten Futterpflanzen mit der Erfahrung wächst.
Der wichtigste Grundsatz lautet deshalb:
Nur sicher bestimmte und als geeignet bekannte Pflanzen werden verfüttert. Im Zweifel bleibt eine Pflanze stehen.
Da es nur wenige belastbare, speziell auf Landschildkröten bezogene Daten zur Giftwirkung einzelner Pflanzen gibt, werden viele Risiken vorsorglich anhand tiermedizinischer Erkenntnisse zu anderen Tierarten eingeordnet. Wie immer bei TASCHENDINOS gilt dabei das Prinzip der maximalen Sicherheit: Wo belastbare, speziell auf Landschildkröten bezogene Daten fehlen, werden potenzielle Risiken sicherheitshalber ausgeschlossen..
Die folgende Übersicht zeigt einige der wichtigsten Giftpflanzen, die im Garten, rund um das Schildkrötengehege oder beim Futtersammeln eine Rolle spielen können. Viele Giftpflanzen können sich auch durch Selbstaussaat im Selbstversorgergehege ansiedeln, daher sollte das Gehege regelmäßig gecheckt werden.
Diese Übersicht ist aufgrund der Vielzahl an Giftpflanzen nicht vollständig und ersetzt keine ausführliche Bestimmungshilfe.
Besonders wichtige Giftpflanzen im Garten

Eibe – Taxus baccata
Die Eibe gehört zu den gefährlichsten Gehölzen im Umfeld eines Schildkrötengeheges. Nadeln, Samen, Falllaub und Schnittgut können ins Gehege gelangen oder verweht werden. Auch getrocknete Pflanzenteile bleiben hochgiftig. Besonders tückisch sind die roten Samenmäntel: Das rote Fruchtfleisch umgibt einen weiterhin gefährlichen Samen.
Lebensbaum – Thuja occidentalis
Thuja wird häufig als Heckenpflanze verwendet. Die schuppenförmigen Zweige enthalten ätherische Öle und Thujon. Vor allem Heckenschnitt und abgebrochene Zweige dürfen nicht in das Schildkrötengehege gelangen.
Kirschlorbeer – Prunus laurocerasus
Kirschlorbeer steht in vielen Gärten direkt an Grundstücksgrenzen. Beim Zerkauen können die Blätter Blausäure freisetzen; auch Beeren und insbesondere deren Steinkerne sind problematisch. Falllaub und Schnittgut aus angrenzenden Hecken sollten konsequent entfernt werden.
Rhododendron und Azalee – Rhododendron spp.
Blätter und Blüten enthalten Grayanotoxine. Da viele Sorten immergrün sind, kann ganzjährig Laub abfallen und in das Gehege geweht werden. Rhododendren und Azaleen sollten daher nicht unmittelbar neben einem Schildkrötengehege stehen.

Goldregen – Laburnum anagyroides
Die gesamte Pflanze enthält Cytisin. Besonders hohe Konzentrationen finden sich in Hülsen und Samen. Diese können nach der Blüte herabfallen oder durch Wind in angrenzende Gehege gelangen.
Blauer Eisenhut – Aconitum napellus
Der Blaue Eisenhut zählt zu den giftigsten heimischen Gartenstauden. Blätter, Blüten und Knollenreste dürfen weder ins Gehege noch in gesammeltes Futter geraten. Auch der Pflanzensaft kann Haut und Schleimhäute reizen.
Fingerhut – Digitalis spp.
Fingerhut enthält in der gesamten Pflanze herzwirksame Glykoside. Besonders Blätter und Samen sind kritisch. Da sich Fingerhut leicht selbst aussät, kann er auch unerwartet in der Nähe eines Geheges oder an Sammelstellen auftauchen.
Oleander – Nerium oleander
Oleander ist eine beliebte Kübelpflanze auf Terrassen und Balkonen. Die gesamte Pflanze enthält herzwirksame Glykoside. Auch welke und getrocknete Blätter bleiben problematisch und dürfen nicht in Reichweite von Landschildkröten gelangen.
Wichtige Giftpflanzen beim Futtersammeln

Herbstzeitlose – Colchicum autumnale
Die Herbstzeitlose gehört zu den wichtigsten Risikopflanzen auf Wiesen. Das enthaltene Colchicin ist hochgiftig und bleibt auch in getrocknetem Pflanzenmaterial wirksam.
Besonders gefährlich ist die Verwechslung im Frühjahr: Zu dieser Zeit erscheinen nur die breiten, glänzenden Blätter, während die krokusähnlichen Blüten erst im Herbst sichtbar werden.
Jakobskreuzkraut – Jacobaea vulgaris
Jakobskreuzkraut enthält Pyrrolizidinalkaloide, die die Leber schädigen können. Die Wirkung kann sich über wiederholte Aufnahmen aufbauen; auch getrocknete Pflanzenteile bleiben problematisch.
Die Pflanze wächst auf Wiesen, Weiden, Brachen und an Wegrändern und verbreitet sich über zahlreiche Flugsamen.
Gefleckter Schierling – Conium maculatum
Der Gefleckte Schierling ist besonders wegen möglicher Verwechslungen mit anderen Doldenblütlern gefährlich. Die gesamte Pflanze enthält Coniin.
Typisch sind der kahle, purpurn gefleckte Stängel und ein unangenehmer Geruch beim Zerreiben. Unbekannte Doldenblütler sollten grundsätzlich nicht gesammelt werden.
Wasserschierling – Cicuta virosa
Der Wasserschierling zählt zu den giftigsten Pflanzen Europas. Er wächst vor allem an Gräben, Teichen und Bachrändern.
Feuchte Sammelstellen bergen generell besondere Verwechslungsrisiken. Wer Doldenblütler nicht absolut sicher bestimmen kann, sollte an solchen Standorten kein Futter sammeln.
Gefleckter Aronstab – Arum maculatum
Der Gefleckte Aronstab wächst an schattigen Gehölzrändern und in Hecken. Alle Pflanzenteile enthalten reizende Stoffe und Kalziumoxalat-Nadeln; besonders auffällig und problematisch sind später die Beeren.
Die pfeilförmigen, häufig dunkel gefleckten Blätter erscheinen bereits im zeitigen Frühjahr und können zwischen anderem Schattengrün stehen.

Tollkirsche – Atropa belladonna
Die gesamte Tollkirsche enthält Tropanalkaloide. Besonders auffällig sind die glänzend schwarzen Beeren, die in einem sternförmig ausgebreiteten Kelch sitzen.
Die Pflanze kann an Wald- und Gehölzrändern vorkommen – also genau dort, wo gelegentlich auch Futterpflanzen gesammelt werden.

Stechapfel – Datura stramonium
Auch der Stechapfel enthält in allen Pflanzenteilen Tropanalkaloide. Besonders konzentriert sind sie in den Samen.
Die Pflanze wächst häufig auf Ruderalflächen sowie an Feld- und Wegrändern. Durch langlebige Samen kann sie außerdem unerwartet auf offenen Bodenstellen im Garten oder sogar im Gehege erscheinen.

Warum eine kurze Giftpflanzenliste nicht ausreicht
Die hier genannten Arten gehören zu den besonders wichtigen Risikopflanzen. Daneben gibt es jedoch zahlreiche weitere Gartenpflanzen, Wildpflanzen, Gehölze, Zwiebelpflanzen sowie Kübel- und Zimmerpflanzen, die für Landschildkröten giftig oder zumindest nicht als Futter geeignet sind.
Zusätzlich verändern sich Pflanzen im Jahresverlauf. Junge Blätter können anders aussehen als ausgewachsene Pflanzen, Blüten erscheinen nur für kurze Zeit und manche Arten werden erst durch Früchte oder Samen eindeutig erkennbar. Auch regionale Unterschiede und ähnliche Volksnamen können die Bestimmung erschweren.
Deshalb sollten Pflanzen nicht allein anhand eines einzelnen Fotos oder eines deutschen Namens beurteilt werden. Entscheidend ist die Kombination aus wissenschaftlichem Namen, Wuchsform, Blättern, Blüten, Früchten, Standort und weiteren Erkennungsmerkmalen.
Das Handbuch Giftpflanzen für Europäische Landschildkröten
Das TASCHENDINOS Handbuch Giftpflanzen wurde als kompakte Feldhilfe für den Alltag mit Landschildkröten entwickelt. Es unterstützt beim Kontrollgang rund um das Gehege ebenso wie beim sicheren Sammeln von Futterpflanzen.
Die Pflanzenporträts zeigen unter anderem:
- den deutschen und wissenschaftlichen Pflanzennamen,
- das entscheidende Erkennungsmerkmal,
- die wichtigsten Gefahren,
- typische Fundorte und Eintragswege,
- mögliche Verwechslungen,
- sowie Hinweise für den Notfall.
Das Handbuch ist deutlich umfangreicher als diese erste Übersicht. Es hilft dabei, typische Risikopflanzen nicht nur dem Namen nach zu kennen, sondern sie im Garten und unterwegs tatsächlich wiederzuerkennen.
In Kürze erhältlich
Das Handbuch Giftpflanzen erscheint in der Reihe
„Moderne Haltung Europäischer Landschildkröten“.
Wie bei den bisherigen TASCHENDINOS-Büchern fließt der gesamte Erlös in den Erhalt und Betrieb der ehrenamtlichen Plattform Schildkroetensuche.org sowie in die Erstellung weiterer Informationsmaterialien.
Weitere Informationen zur Veröffentlichung und Bestellung folgen in Kürze.
Bei Verdacht auf eine Vergiftung
Pflanzenreste sollten direkt vorsichtig aus dem Maul entfernt werden. Anschließend ein Foto anfertigen und eine Pflanzenprobe sichern und umgehend einen Reptilientierarzt oder eine Tierklinik kontaktieren.
Keine Hausmittel ausprobieren und nicht auf mögliche Symptome warten. Pflanze, Pflanzenreste und Fotos sollten zum Tierarzt mitgenommen werden.
Merksatz: Im Zweifel bleibt die Pflanze aus Sicherheitsgründen stehen.
