Frühbeet in Woche 2 der Temperaturabsenkung

Woche 2 Temperaturabsenkung

Sanfter Übergang zur Ruhephase

Allmählich werden die Grundtemperaturen auf Schildkrötenhöhe im Frühbeet weiter reduziert, und auch die Sonnenstunden werden nun auf 7 verkürzt.
Allmählich werden die Grundtemperaturen auf Schildkrötenhöhe im Frühbeet weiter reduziert, und auch die Sonnenstunden werden nun auf 7 verkürzt.

So gelingt die weitere Vorbereitung bei Griechischen und Maurischen Landschildkröten

Wenn die Tage kürzer werden und die Sonne an Kraft verliert, beginnt für mediterrane Landschildkröten die wichtigste Phase des Jahres: die Vorbereitung auf die Winterstarre. Ein behutsames Absenken der Temperaturen ist nun entscheidend, damit sich der Organismus der Tiere langsam umstellen kann.

Wichtig: Wenn gerade erst mit der Temperaturabsenkung begonnen wird, beginnt man mit Woche 1.

🌡️ Langzeittrend & Klimadaten

Wir orientieren uns weiterhin an Langzeitwetter- und Klimadaten vom Habitat. Ab Anfang November gibt es einen deutlichen Temperaturabfall. Für uns bedeutet das ein weiteres allmähliches Absenken der Temperaturen.

StandortDurchschnitt (°C)Besonderheiten
THB Platamonas 8–14 °CDeutlicher Temperaturabfall ab Anfang November
THH Pollença (Mallorca)10–17 °CMilder, aber ebenfalls kühlere Nächte
TGI Marmaris11–22 °CWeiterhin vergleichsweise warm, aber sinkend

Interpretation:
Die natürlichen Lebensräume zeigen deutlich: Die Ruhephase beginnt. Entsprechend passen wir unsere Haltungsbedingungen an – langsam, kontrolliert und immer mit Blick auf das Verhalten der Tiere.


Die Aktivität bei den Tieren ist in Woche 2 sehr verschieden, manche Tiere sind noch am Futter, viele andere sind bereits wesentlich weniger aktiv.
Die Aktivität bei den Tieren ist in Woche 2 sehr verschieden, manche Tiere sind noch am Futter, viele andere sind bereits wesentlich weniger aktiv.

Griechische Landschildkröten (Testudo hermanni hermanni, Testudo hermanni boettgeri und Testudo marginata)

Bei Griechischen Landschildkröten sollte die Umgebungstemperatur mithilfe eines Universalthermostats über mehrere Tage schrittweise gesenkt werden. Nachts liegt das Ziel bei etwa 10 °C, tagsüber bei rund 15 °C. Dabei sollte die Temperatur um nicht mehr als 1 °C pro Tag fallen, um Stress und Stoffwechselprobleme zu vermeiden.

Ein Dreamteam für die Temperaturabsenkung: Gewächshausheizung (Hier für ein großes Frühbeet) und Biogreen Thermo 2 Thermostat
Ein Dreamteam für die Temperaturabsenkung: Gewächshausheizung (Hier für ein großes Frühbeet) und Biogreen Thermo 2 Thermostat

Maurische Landschildkröten (Testudo graeca ibera)

Für Maurische Landschildkröten aus südlichen Herkunftsgebieten kann die Absenkung etwas milder, zum Beispiel wie folgt, ausfallen: Die Nachttemperaturen werden allmählich auf 13 °C, die Tagestemperaturen auf etwa 20 °C reduziert. Auch hier gilt die Faustregel: maximal 1 °C Temperaturabsenkung pro Tag.

Kleine Korrektur zu Maurischen Landschildkröten: Die Nachttemperatur wird in Woche 2 nicht wieder angehoben. Wer bereits auf 14 °C abgesenkt hat, bleibt dabei oder senkt langsam weiter. Wie immer gilt: höchstens 1 °C pro Tag.

Wer die genaue Herkunft seiner Tiere kennt, kann sich idealerweise an Klimatabellen des Ursprungsgebietes orientieren, um den natürlichen Jahresverlauf möglichst exakt nachzubilden.


Licht und Wärme bleiben wichtig

Die Sonnenlampe (UV-Spot) – bleibt in dieser Phase noch täglich 7 Stunden eingeschaltet. Auf Panzerhöhe sollten dabei etwa 35 °C erreicht werden. Diese Wärmequelle ist von großer Bedeutung: Sie ermöglicht es den Tieren, ihren Stoffwechsel bei Bedarf noch zu aktivieren und sich gezielt zurückzuziehen.

Erst am Ende der Vorbereitungsphase, wenn sich alle Tiere über mehrere Tage hinweg vollständig eingegraben und damit in die Starre begeben haben, kann die Lampe endgültig ausgeschaltet werden.

Während dieser Zeit sollten Futter und Wasser weiterhin angeboten werden, bis die Tiere sich am Ende der Temperaturabsenkung komplett zurückgezogen haben.

Landschildkröte im Freigehege während der herbstlichen Temperaturabsenkung

Baden – nur in Ausnahmefällen

Gesunde Tiere werden in der Vorbereitungszeit nicht gebadet, es sei denn, ein Reptilientierarzt rät dazu.

Eine Ausnahme bilden Tiere aus nicht artgerechter Vorhaltung, die zum Beispiel aus dem Terrarium stammen und häufig dehydriert sind: Sie können gelegentlich in eine Badeschale gesetzt werden, um ihren Flüssigkeitshaushalt zu stabilisieren. Auch sie dürfen dabei stressfrei baden und die Badedauer selbst bestimmen.

Baden oder nicht baden? Das sollten die Tiere in der Regel selbst entscheiden dürfen.
Baden oder nicht baden? Das sollten die Tiere in der Regel selbst entscheiden dürfen.

Kühlschranküberwinterung – sicher und kontrolliert

Für Halterinnen und Halter, die ihre Tiere im Kühlschrank überwintern, beginnt nun die entscheidende Vorbereitungsphase. Es ist die letzte Gelegenheit, einen geeigneten, separaten „Starrekühlschrank“ bereitzustellen.

Der Kühlschrank sollte in einem beheizbaren Raum stehen, in dem die Umgebungstemperatur nicht unter 16 °C fällt. In unbeheizten Garagen, Gartenhäusern oder Kellern arbeitet das Kühlschrankthermostat unzuverlässig – was gefährliche Temperaturschwankungen oder sogar ein Erfrieren der Tiere im Kühlschrank verursachen kann.

Am besten eignet sich ein Vollraumkühlschrank ohne Eisfach oder Gefrierteil. Wichtig ist, dass der Wasserablauf an der Rückseite frei ist, damit sich kein Kondenswasser staut. Sobald Kühlschrank und Boxen vorbereitet sind, folgt das Einfahren des Kühlschranks ohne Tiere auf den gewünschten Temperaturbereich von 4,5-7 °C auf allen belegten Ebenen. Gemessen wird hierbei stets hinten in den Boxen unterm Laub und leicht im Substrat.

Vorbereiteter Überwinterungs-Kühlschrank mit Starre-Boxen

Die passende Starrebox

Die Schildkröte sollte sich in der Box bequem umdrehen können. Als Substrat eignen sich lockere, gesiebte Erde oder ein spezielles Schildkrötensubstrat, das mindestens drei Panzerhöhen hoch eingefüllt wird. Darüber kommt eine ebenso dicke Schicht trockenes Buchenlaub.

Die Box sollte aus stabilem Kunststoff bestehen und groß genug sein, um nicht an die Kühlschrankwände zu stoßen. Das schützt vor Durchfrieren und verhindert das Eindringen von Tauwasser.

Ein fest schließender Deckel mit eingesetztem Gitter verhindert, dass Tiere bei einem Stromausfall aus der Box klettern können. Außerdem sollten mehrere kleine Löcher an den Seiten und am Boden gebohrt werden, um Staunässe vorzubeugen.

Zur zusätzlichen Isolierung kann man die Box in Noppenfolie oder Alukaschierung einwickeln und an der Rückseite mit Styroporplatten versehen. Dies hilft, Temperaturschwankungen im Kühlschrank auszugleichen und die Bedingungen für eine sichere Winterstarre zu stabilisieren.

Alle Infos rund um die Kühlschrank-Überwinterung findet man im Handbuch Kühlschrank-Überwinterung.

Starre-Box mit Substrat und trockenem Laub

Fazit

Die sorgfältige Vorbereitung auf die Winterstarre ist eine der wichtigsten Pflichten verantwortungsvoller Halter mediterraner Landschildkröten. Wer die Temperaturen langsam anpasst, Licht und Wärme gezielt reduziert und den Überwinterungsort optimal vorbereitet, schafft die Grundlage für eine sichere und gesunde Starre – und damit für einen vitalen Start in die nächste Schildkrötensaison.


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