Europäische Landschildkröten Schritt für Schritt durch die Winterstarre begleiten
Testudo hermanni · Testudo graeca ibera · Testudo marginata
Die kontrollierte Winterstarre im Kühlschrank ist sicher – wenn Vorbereitung, Technik und Kontrollen stimmen. Die neue Checkliste Kühlschrank-Überwinterung fasst alle Schritte kompakt zum Abhaken zusammen: von der Entscheidung im Spätsommer über das Einfahren des Kühlschranks und die Temperaturabsenkung bis zur Auswinterung im März. Dieser Artikel führt durch die acht Abschnitte der Checkliste und verlinkt die Seiten, auf denen wir die einzelnen Themen ausführlich behandeln. Wer zuerst die Grundlagen lesen möchte, findet sie unter Was ist eigentlich Kältestarre? und in der Übersicht Die kontrollierte Kühlschrank-Überwinterung.

1. Gesundheitscheck
Die Vorbereitung beginnt im Sommer. Bis August beurteilen wir, ob ein Tier ausreichend Kondition für die Winterstarre aufgebaut hat – mehr dazu unter Entscheidung zur Winterstarre. Spätestens im August oder September steht der Vor-Starre-Check beim Reptilientierarzt an; reptilienkundige Praxen nennt die AGARK-Tierarztliste.
Zwei Kotuntersuchungen auf Darmparasiten im Jahr gehören dazu. Zwei Wochen nach der letzten Gabe einer Wurmkur lassen wir eine Kontrollkotprobe untersuchen. Danach bleiben die Tiere noch mehrere Wochen bei Sommertemperaturen warm – 25–30 °C Umgebung, 35 °C am Sonnenplatz. Das Gewicht vor der Starre notieren wir als Ausgangswert.
Nicht in die Winterstarre gehören trächtige Weibchen, akut kranke oder frisch operierte Tiere sowie Tiere in schlechtem Allgemeinzustand. Das Vorgehen stimmen wir immer mit dem Reptilientierarzt ab; diese Tiere überwintern aktiv in einem großen, oben offenen Notquartier mit Wärme, UV-Sonnenplatz und Nachtabsenkung. Tiere aus verschiedenen Beständen überwintern nicht gemeinsam in einem Kühlschrank.

2. Kühlschrank und Technik
Wir verwenden einen eigenen Kühlschrank ohne Gefrier- oder Eisfach mit Abtauautomatik. Er steht in einem beheizten Raum mit mindestens 16 °C – nie an unbeheizten Orten wie Garage, Dachboden oder Schuppen. Wegen ihrer Unzuverlässigkeit kommen Campingkühlboxen, Minikühlschränke und Inkubatoren nicht infrage.
In jeder Box liegt ein Sondenthermometer mit Min/Max-Speicher und Alarm, dazu ein Smart-Thermometer mit Alarm auf das Mobiltelefon. Ein batteriebetriebenes Funkthermometer mit akustischem Alarm sichert Strom- und Internetausfälle ab. Ein externes Notabschalt-Thermostat kommt hinzu. Wichtig: Der Kühlschrank hält 4,5–7 °C auf allen Ebenen selbst – das Not-Aus sichert nur den Notfall ab. Was im Einzelnen gebraucht wird, steht in der Einkaufsliste und auf unserer Seite zur Technik.

3. Starre-Boxen
Jedes adulte oder subadulte Tier bekommt eine eigene, stabile Kunststoffbox. Das Substrat füllen wir mindestens in dreifacher Panzerhöhe ein – Schildkrötenerde oder gesiebte Muttererde, leicht feucht, nie nass. Darüber kommt frisches Buchen- oder Hainbuchenlaub bis zum Rand; schnell schimmelndes Laub eignet sich nicht. Ein Gitterdeckel mit Spanngummi, Drainagelöcher und Abstand zu den Kühlschrankwänden machen die Box sicher. Details stehen unter Rund um Kühlschrank und die Starre-Boxen.
Auch bei der Kühlschrank-Überwinterung bleibt eine gegen Frost und Fressfeinde gesicherte Grube unter dem Frühbeet wichtig: Die Tiere starren dort ein bis zwei Wochen, bevor sie in den Kühlschrank umziehen, und Fressfeinde sind das ganze Jahr aktiv. Die Grube muss nur nicht so tief sein wie bei einer Grubenüberwinterung – etwa 30 cm Erdsubstrat genügen.

4. Kühlschrank einfahren
Mit Beginn der Temperaturabsenkung im Frühbeet starten wir das Einfahren des Kühlschranks – ohne Tiere. Der Kühlschrank läuft zunächst auf der wärmsten Stufe, die fertig befüllten Boxen stehen bereits darin. Alle Fühler liegen hinten in der Box unter dem Laub, die Spitze knapp im Substrat. Täglich notieren wir die Min/Max-Werte jeder Box und setzen sie zurück. Schrittweise regeln wir nach, bis alle Boxen stabil bei 4,5–7 °C liegen; ideal sind 5–6 °C. Temperaturen unter 4 °C und über 8 °C sind gefährlich.
Erst nach etwa einer Woche stabiler Werte schließen wir das Notabschalt-Thermostat an; sein Fühler liegt in der kältesten Box. Es schaltet 0,2 °C unter dem gemessenen Minimum ab, nie unter 4,3 °C, und 0,2 °C unter dem gemessenen Maximum wieder ein, nie über 5,8 °C.
5. Temperaturabsenkung
Ab Ende Oktober senken wir die Umgebungstemperatur im Frühbeet über vier Wochen schrittweise – um höchstens etwa 1 °C pro Tag. Woche 1: 19 °C am Tag, 14 °C in der Nacht, acht Stunden Sonnenplatz. Woche 2: 15 und 10 °C, sieben Stunden. Woche 3: 11 und 5 °C, sechs Stunden. Woche 4: 5 °C und fünf Stunden, bis alle Tiere inaktiv sind. Die einzelnen Wochen beschreiben wir ab Woche 1 der Temperaturabsenkung.
Der UV-Sonnenplatz bietet weiterhin 35 °C auf Panzerhöhe. Futter und Wasser stehen bis zuletzt bereit – kein erzwungenes Fasten, kein Zwangsbaden. Die Temperatur im Frühbeet fällt nicht unter 5 °C. Die UV-Lampe schalten wir erst ab, wenn alle Tiere seit mehreren Tagen vollständig inaktiv sind.

6. Einwinterung
Umgesetzt wird erst, wenn die Tiere ein bis zwei Wochen fest in der Winterstarre sind – meist Anfang Dezember. Sie sind dann vollständig inaktiv, die Augen geschlossen, und sie reagieren nur träge auf Berührung. Jedes Tier wird gewogen und rundum kontrolliert, das Startgewicht notiert. Wir setzen es mit dem Hinterteil in eine flache Mulde und bedecken den Panzer leicht mit Substrat – der Kopfbereich bleibt frei. Die Box füllen wir locker mit Laub und sichern den Gitterdeckel. Danach bleibt der Kühlschrank etwa 24 Stunden geschlossen. Noch aktive Tiere kommen zurück ins Frühbeet. Ausführlich: Die Einwinterung in den Kühlschrank und die Checkliste für die Einwinterung.

7. Während der Winterstarre
Alle zwei Tage lüften wir etwa zehn Sekunden – bei kleinem oder voll belegtem Kühlschrank täglich. Täglich prüfen wir die Thermometer sowie die Funktion von Kühlschrank und Notabschalt-Thermostat. Mindestens einmal im Monat steht eine Kontrolle an, im letzten Drittel alle zwei Wochen und immer an Werktagen: wiegen, den Bauchpanzer mit der Taschenlampe auf Rötungen prüfen, Nase, Maul und Augen ansehen. Bei einem Gewichtsverlust deutlich über 1 % pro Monat oder über 5 % insgesamt kontaktieren wir den Reptilientierarzt. Wie die Kontrolle abläuft, zeigt Die Kontrolle bei der Kühlschrankstarre.
Zu trockenes Substrat feuchten wir mit zwei bis drei Sprühstößen kaltem Wasser an; nasses oder schimmeliges Material wird ersetzt. Veränderungen an Dichtung und Kühlschrank sind gefährlich. Bei Abwesenheit weisen wir eine Vertretung ein und hinterlegen Notfallkontakte.
Notfall: Rötungen oder Flecken am Panzer, Schwellungen, Blasen an Nase oder Maul, Atemgeräusche, geöffnetes Maul oder anhaltendes Scharren. Die Box kommt dann in einen kühlen Raum mit etwa 12 °C, und wir kontaktieren den Reptilientierarzt zur weiteren Vorgehensweise.
8. Auswinterung
Die Winterstarre dauert etwa zwölf Wochen, die Zeit im Frühbeet eingerechnet; ausgewintert wird Anfang bis Mitte März. Zwei Wochen vorher prüfen wir Technik und Reservetechnik, putzen das Frühbeet, halten es auf mindestens 8 °C und säen Futterpflanzen aus – siehe Vorbereitung der Auswinterung.
Umgesetzt wird an einem Werktagabend. Den Kühlschrank schalten wir nicht ab – die Tiere erwachen stressfrei im Frühbeet. Nach dem Wiegen und der Kontrolle setzen wir sie in eine Mulde und bedecken sie mit Substrat und Laub aus der Box; der Kopf bleibt frei. Die erste Nacht bleibt es bei 8 °C, am Folgetag gibt es 12 °C und fünf Stunden Sonnenplatz. Danach steigern wir täglich um 1 °C und eine Stunde, bis 20 °C und zwölf Stunden erreicht sind. Nachts fällt die Temperatur nicht unter 12 °C, und der Sonnenplatz bietet vom ersten Tag an 35 °C auf Panzerhöhe. Frische Wildkräuter und Wasser stehen von Beginn an bereit. Den Ablauf beschreibt Die Auswinterung aus dem Kühlschrank.
Alarmzeichen: kein Trinken nach 48 Stunden, keine Futteraufnahme nach sieben bis zehn Tagen, kein Kot oder Urin über mehrere Tage, Lethargie, Gewichtsverlust, weißer Zungenbelag. Dann geht es zeitnah zum Reptilientierarzt. Mehr dazu unter Alarmzeichen nach der Winterstarre.

Zum Weiterlesen
Die ausführliche Anleitung von der Absenkung über die Starre bis zur Auswinterung – mit Bildern, Grafiken und Literatur – bietet das Taschendinos Handbuch Kühlschrank-Überwinterung. Frühbeet, Heizung, Licht, Grubenbau und Überwinterung in der Grube und im Kühlschrank, Thermostate und Thermometer behandelt das Taschendinos Handbuch Technik.
Die Checkliste bestellen
Die Checkliste Kühlschrank-Überwinterung ist ein vierseitiges Faltblatt im Format DIN A4. Sie enthält alle Punkte zum Abhaken, eine Wiegetabelle für drei Tiere, die Grafiken zur Temperaturabsenkung und zum Einfahren des Kühlschranks sowie QR-Codes zu allen hier verlinkten Seiten.
Preis: 2 Euro zuzüglich Versand. Als Beipack zu einem Buch kommt sie ohne zusätzliche Versandkosten mit.
Bei Nachfragen genügt eine Nachricht über das Kontaktformular.
Wichtig: Diese Checkliste ersetzt keine individuelle Beratung durch einen Reptilientierarzt.

